23. Februar 2024

«KRKA» – Rapper Lapaz legt emotionales wie anregendes Album vor

Der Rapper Lapaz ist ein Künstler mit Prinzipien. Er geht seinen Weg, auch wenn ihm heftiger Gegenwind ins Gesicht bläst. Er lässt sich nicht von seiner Meinung abbringen, selbst wenn man ihn deswegen zu zensieren oder zu diskreditieren versucht. Diese Haltung bringt der Sprechgesangskünstler aus der Nähe von Kassel auf eine einfache Formel: Kein Rückzug, kein Aufgeben, abgekürzt KRKA. So heißt auch sein erstes Album, das vor wenigen Wochen erschienen ist. Darin zeigt der Rapper seine ganze Vielseitigkeit, sowohl musikalisch als auch thematisch. Und dennoch gibt es Elemente, die sich wie ein roter Faden durch die insgesamt 18 Songs ziehen.

Sie alle laufen in dem titelgebenden Track zusammen. «KRKA» kommt als ein sehr persönliches Stück daher, in dem Lapaz seine Lebenserfahrungen schildert und über zahlreiche Rückschläge und Hürden rappt, die belastend wirken, die es aber zu überwinden gilt. „Für mich gibt’s kein Rückzug, kein Aufgeben“, heißt es in der Hook. „Ich leb nach der Faustregel / Fällst du, musst du aufstehen.“ Standhaftigkeit, das wird beim Hören des Albums schnell deutlich, stellt für den 40-Jährigen einen großen Wert dar. Viele der Stücke sind deshalb als Motivationssongs angelegt, in denen dazu animiert wird, sich aus misslichen Lebenssituationen zu befreien, zu kämpfen und niemals aufzugeben. In diesen Aussagen schwingt immer ein moralischer Appell mit. Es geht darum, sich selbst treu zu bleiben, sich nicht verbiegen zu lassen.

Authentizität und Prinzipientreue

Wie wichtig das ist, wurde Lapaz in den letzten zwei Jahren besonders klar. Der Rapper positionierte sich schon recht früh gegenüber der Corona-Politik und kritisierte in seinen Songs deren Begleiterscheinungen wie die unmenschlichen Maßnahmen, die tendenziöse Berichterstattung oder die Einschränkung der Grundrechte. Später gründete er mit mehreren Kollegen das Rapkollektiv Rapbellions, die mit ihren unverblümten Tracks viel Groll aus dem Mainstream auf sich zogen. Doch Lapaz lässt sich davon nicht verbiegen und bleibt geradlinig. Auf «KRKA» tut er das in mehreren Songs kund. Bereits das Auftakt-Stück «Nicht D’accord» thematisiert die langwierige und steinige Arbeit an dem Album, benennt die Schwierigkeiten, um zugleich darauf zu verweisen, dass er weiterhin das sagen wird, was er denkt – selbst wenn er sich damit in der Mainstream-Musikbranche unbeliebt macht.

Rapper Lapaz

Unabhängigkeit und Prinzipientreue, so die Botschaft, sind wichtiger als Karriere, für die sich so manche Künstler verkaufen. Lapaz geht es um Authentizität, die er in seinen Songs immer wieder hervorhebt. Ein Zeugnis davon legt der Track «Alte Schule» ab. Er ist gewissermaßen eine Hommage an den Rap. Lapaz beschreibt darin, was die Musik für ihn bedeutet, hebt aber auch hervor, dass er genau das lebt, was er schreibt. Im Deutschrap sei das eher selten geworden, wie der Sprachgesangskünstler in dem Song «Im Blut» andeutet. Es ist eine schonungslose Kritik am gegenwärtigen Mainstream-Hip-Hop, der sich ausschließlich am Kommerz orientiert, ohne echte Werte zu vermitteln. „Rest in peace, deutscher Hip-Hop / Nur noch tote Lieder“, lautet eine prägnante Zeile. „Die Texte völlig sinnbefreit / Ohne Liebe, einfach hingeknallt.“ Im gleichen Atemzug bedankt sich Lapaz bei seinen Fans, die ihm ihre Wertschätzung dafür entgegenbringen, dass er ihnen mit seinen Songs durch harte Zeiten hilft.

«Im Blut» erschien kürzlich als Single. Das gilt auch für den gemeinsam mit Ken Miyao produzierten Song «Keine Mauer», ein eingängiges Stück, das an das Kämpferherz appelliert. Für sein Album hat Lapaz viele andere Künstler ins Boot geholt. Zu ihnen zählen unter anderem die Rapbellions-Kollegen Goethe, Bustek und Holy Smokez. In «Tief» interagiert er mit dem Sänger RispectA, der zu einem beflügelnden Beat seine schöne Stimme einsetzt. Musikalisch ähnlich präsentiert sich «Steine», eine Kooperation mit Julian Kaspa. Der Song «Wie Regen», für den Lapaz die Sängerin Mea gewinnen konnte, versprüht hingegen melancholische Töne. Der Titel gibt die Stimmung eines Menschen wieder, der den Drogen verfallen ist. Doch der Rapper, wie sollte es anders sein, animiert dazu, sich aus diesem Zustand zu befreien und sich selbst zu verwirklichen. „Wenn du aufschlägst wie Regen“, singt Mea. „Auf kaltem Asphalt / Vergiss nicht das Leben / Sei allzeit bereit / Komm trau dich / Lass los.“

Wortgewaltige Systemkritik

Neben solchen Motivationssongs enthält das Album viele Stücke, die mit Systemkritik aufwarten. Angeprangert wird unter anderem die Übergriffigkeit des Staates, der vor den Kindern keinen Halt macht. «Hände Weg» heißt die entsprechende Antwort, die Lapaz in einem gemeinsamen Song mit Jacky G gibt. In die gleiche Richtung geht «Jetzt Oder Nie», für den Rapbellions-Kollege Bustek einige kritische Zeilen beisteuerte. «Echter Gangster Rap» ist hingegen eine Auseinandersetzung mit Zensur, während «Jedes Mal» den Dauerstress in einem System akzentuiert, in dem man sich gefangen fühlt. „Doch alles wird gut“, heißt es in dem Track «Alles fügt sich», in dem Lapaz gemeinsam mit E1F den christlichen Glauben in den Mittelpunkt rückt: „Der Herr ist immer mit uns“, so die zentrale Message.

So breit das Spektrum ist, das der Rapper thematisch abdeckt, so versatil zeigt er sich stilistisch. Mal feuert Lapaz seine Reime im hohen Tempo ab, mal sehr prononciert oder in Battle-Rap-Manier. In «Risiko» übt er sich sogar im Gesang. Manche Stücke sind sehr melodisch mit eingängigen Hooks und poppigen Beats, die – wie «An Uns Alleine» – bisweilen 80er-Flair versprühen. Andere enthalten Gitarren- oder Klavierelemente, die den Klangteppich des gesamten Albums erweitern. Die Grundstimmung fällt überwiegend positiv aus, auch wenn hier und da etwas Schwermut aufkommt. «KRKA» gibt Kraft, spendet Trost und animiert zum Tanzen. Die Songs sind eine optimistische Antwort auf den Pessimismus der Gegenwart – emotional vorgetragen und mit viel Herzblut.

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