27. Februar 2024

«Mensch Maecky» – Yann Song King würdigt eine außergewöhnliche Persönlichkeit aus der Protestbewegung

Der Singer-Songwriter Yann Song King ist eigentlich für seine satirischen wie humorvollen Lieder bekannt. Seit knapp zwei Jahren tritt er auf diversen Protestveranstaltungen auf und sorgt mit seinen pointierten Zeilen für gute Stimmung, indem er die Corona-Politik und deren Protagonisten durch den Kakao zieht. Doch nun hat er einen Song veröffentlicht, das ernst daherkommt und Wehmut versprüht. «Mensch Maecky» heißt es und ist einem außergewöhnlichen Menschen gewidmet, der kürzlich unerwartet aus dem Leben schied: Matthias Bosch.

Der charismatische Sachse aus dem Raum Kamenz / Bautzen war in den letzten zwei Jahren ein sehr aktiver Mitstreiter im Widerstand gegen die Corona-Politik. Er initiierte verschiedene Aktionen, hielt auf Kundgebungen emotionale Reden und versuchte, als CDU-Mitglied seine Partei dazu zu bewegen, von den Maßnahmen abzukommen. Bosch blieb kritisch, so groß der Gegenwind auch war. Mit Entschlossenheit konfrontierte er in Sachsen die Parteiführung und geriet sogar in Konflikt mit dem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Wer ihn kannte, war von seinem Engagement in der Corona-Krise wenig überrascht. Bosch kämpfte schon in der DDR gegen Bevormundung, Freiheitsberaubung und Ungerechtigkeit. Er war ein überzeugter Humanist, der sein Leben lang Menschen um sich scharte und sie zusammenbrachte. „Er war ein Macher“, sagt Yann Song King. „Einer, der die anderen mit seiner Energie angesteckt und mitgerissen hat.“.

Letzter gemeinsamer Abend

Dementsprechend überrascht und betroffen zeigt sich der Sänger angesichts des plötzlichen Todes seines Mitstreiters. „Mensch Maecky“, beginnt sein Lied, das als Hommage zu verstehen ist. „Hätt’ ich gewusst, dass wir uns nicht wiedersehn / Wär’ ich an unserem letzten langen Abend nicht so früh gegangen / Doch das Lebensrad geht nicht zurück zu drehn / Mensch Maecky, hätt’ ich geahnt, dass du uns verlassen musst / Ich hab dir doch was schreiben woll’n / Ich hätt’ damit nicht warten soll’n / Das Zögern rächt sich, und du hast es gewusst.“

Yann Song King

An den im Lied erwähnten letzten gemeinsamen Abend kann sich Yann Song King gut erinnern. Wie «Maecky» nahm der Sänger an einer Gegenveranstaltung zum «2G-Volksball» in Bautzen teil. Danach trafen sich die Beteiligten in fröhlicher Runde noch zu einer Nachlese. Es wurde gesungen und musiziert, wobei auch «Maecky» das eine oder andere deutsche Lied vortrug. „Natürlich habe ich ein bisschen mitgespielt“, erinnert sich Yann Song King. „Es war eine richtig gute, erbauliche Stimmung.“ In einem ausgelassenen Moment soll der Sänger zu «Maecky» gesagt haben, dass man Feste so feiern müsse, wie sie eben fallen. Daraufhin fühlte sich der bärtige Bosch veranlasst, ein Lied von Reinhard Mey zu singen, in dem der Augenblick als das einzig Echte und Gültige im Leben gepriesen wird. Das sei das Letzte gewesen, was er aus dessen Munde hörte, sagt Yann Song King: „Ich musste an diesem Abend nach Dresden zurückfahren und verließ die Runde deshalb etwas früher.“

Was steckt hinter dem Spitznamen?

Zuvor waren sich die beiden immer wieder auf Veranstaltungen an Orten begegnet, die Yann Song King als sächsische Brennpunkte der Protestbewegung bezeichnet: Bautzen, Leipzig, Dresden. Im Laufe der Zeit festigte sich die Beziehung. Dennoch blieb noch vieles ungesagt und unerledigt. „Ich habe es leider vor mir hergeschoben, ihm ein paar Sachen zu schreiben und den Kontakt zu intensivieren“, sagt der Sänger. Wie sehr ihn der plötzliche Tod des Weggefährten getroffen hat, drückt er in seinem Lied so aus: „Ich mach mir eine Flasche Rotwein auf“, heißt es an einer Stelle. „Die ich mit deinem Geist zusammensauf / Und eine warme Träne tropft ins Glas / Du wirst uns fehlen, weißt du das?“ Seine Songs entstünden meistens aus der eigenen Erlebniswelt heraus, sagt Yann Song King. So sei es auch bei diesem Lied für «Maecky» gewesen. „Es soll das widerspiegeln, was mir so durch den Kopf und das Herz ging.“

Allerdings ist dem Singer-Song-Writer aus Dresden ein kleiner Lapsus widerfahren – bei der Schreibweise des Spitznamens. Bekommen hatte ihn Matthias Bosch in Anlehnung an den Sänger Janos Mecky Kobor der ungarischen Gruppe OMEGA, mit dem sich der Sachse musikalisch verbunden fühlte. Gleiches gilt für Yann Song King. „Maecky war ja selber ein Musikant. Was liegt also näher, als ihm ein Lied hinterherzuschicken“, erklärt er seine Entscheidung, seinen Freund mit einem Song zu würdigen. Das tut er nicht nur im elegischen Ton, sondern auch mit optimistischen Zeilen, in denen sich die Entschlossenheit ausdrückt, so weiter zu machen, wie es «Maecky» sicherlich gerne gesehen hätte: „Und dieses Lied, das soll nicht traurig sein / Auch ohne Maecky zeih’n wir in den Kampf hinein / Für unsre Freiheit, den Frieden und das Glück / Und immer denken wir an Dich zurück.“

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2 Gedanken zu “«Mensch Maecky» – Yann Song King würdigt eine außergewöhnliche Persönlichkeit aus der Protestbewegung

  1. Mecky war ein Mensch, der polarisierte.
    Er fuhr Menschen über den Mund, er fing hunderttausend Sachen an.

    Er öffnete aber vielen Menschen die Augen, hatte unverrückbare Prinzipien, die den Grundfesten der Menschlichkeit solche Werte wie Freiheit, Nächstenliebe und Verlässlichkeit obendrein umhängte und hatte für Kinder stets ein Herz.
    Bei ihm war man immer willkommen, seine Gegenwart hatte soviel Wärme und Kraft.

    Er war der aufrechteste Mensch, den ich je kannte. Er war ein großer Mann, zudem aufzublicken, viele Menschen beeinflusste und formte, auch mich.
    Er wusste viel und ließ sich nichts weismachen. Das was er tat, machte er mit Überzeugung und gründlich. Er war stets streitbar – in der Sache hart, aber menschlich anständig. Sein Humor legendär, manchmal bis zur Schmerzgrenze des Erträglichen gewürzt.
    Er fehlt nicht nur mir.

    Ich verbeuge mich vor diesem Christen und Humanisten.

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