27. Februar 2024

Musikalische Vielfalt und große Gefühle beim vierten Assange-Konzert

In der Berliner Musikbrauerei fand das mittlerweile vierte Benefizkonzert für Julian Assange statt. Wieder kamen mutige wie engagierte Künstler zusammen, um ein Zeichen für Pressefreiheit zu setzen und ihre Solidarität mit dem inhaftierten WikiLeaks-Gründer zu demonstrieren. Welches Schicksal er seit Jahren erleidet, daran erinnerten die Initiatoren Jens Fischer Rodrian und Ulli Gellermann gleich bei der Eröffnung der Veranstaltung, die sich bis in die Nacht ziehen sollte. Die Stimmung wuchs von Minute zu Minute, was nicht nur an den mitreißenden Musikbeiträgen lag, sondern auch an der Underground-Atmosphäre. In der Location versammelten sich hauptsächlich Menschen, die die politisch-gesellschaftliche Schieflage liberaler Demokratien erkannt haben. Und keiner hat sie besser offengelegt als Assange selbst.

Die musikalischen Beiträge waren deshalb eine Hommage an ihn, vorgetragen mit großer Leidenschaft und subtiler Kreativität. Diese bewies die Lyrikerin und Musikerin Alexa Rodrian mit ihrem Song „Liberty is not a Statue“, der bereits im Titel geistreich auf die Heuchelei der USA verweist. Das Publikum war nach dieser Darbietung aufgewärmt und kam dann richtig in Wallung, als Jens Fischer Rodrian dessen Widerstandsgeist mit „Niemals auf die Knie“ belebte. Der musikalische Tausendsassa sprach mit diesem Song allen aus der Seele. Er festigte das Zusammengehörigkeitsgefühl und legte eine formidable Grundlage für die nächsten Beiträge.

Auftritt von Alexa und Jens Fischer Rodrian

Als schließlich der Gitarrist André Krengel die Bühne betrat, fing der Saal zu kochen an. Er lockte aus seinem Instrument Klänge hervor, die emotional tief eindrangen. Virtuos sorgte Krengel für einen stetigen Stimmungsumschwung, indem er mal sanft anfing und dann in Ekstase überging, mal das Wetter musikalisch nachahmte oder den Elektro-Klassiker „Children“ von Robert Miles auf die Gitarre übertrug. Inwiefern seine Stücke mit Assange in Zusammenhang stehen, erklärte Krengel mit allegorischen Verweisen auf die Gefühlswelt des WikiLeaks-Gründers. Er hoffe auf einen glücklichen und erfreulichen Ausgang, so der Gitarrist. Diese Hoffnung drückte sich jedes Mal am Ende seiner Beiträge aus, wenn Krengel mit seinen flinken Fingern für Sound-Explosionen sorgte. Das Publikum konnte davon einfach nicht genug bekommen. Die „Zugabe“-Rufe dauerten noch Minuten an.

Die Panther-Analogie

Nach Krengels Auftritt wurde es poetisch. Der Berliner Liedermacher Tino Eisbrenner begann einen seiner Songs mit Rilkes Gedicht „Der Panther“, das wie kein anderes das Schicksal Julian Assanges zum Ausdruck bringt. Bereits die erste Strophe lässt die allegorische Analogie erahnen: „Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / So müd geworden, dass er nichts mehr hält / Ihm ist, als ob es Tausend Stäbe gebe / Und hinter Tausend Stäben keine Welt.“ Eisbrenner ging von diesem lyrischen Klassiker direkt zu seinen Songs über, die genauso poetisch sind wie Rilkes Gedichte. Das Publikum war berührt und wurde immer stärker in die Performance eingebunden. Eisbrenner ließ es mitsingen, zeigte seine stimmlichen Qualitäten und hielt die Stimmung weiter oben, obwohl man glaubte, dass es nach Krengels fulminantem Auftritt nicht mehr besser werden konnte.

Den Schlusspunkt setzte Kilez More. Der Wiener Rapper, seit Jahren Friedensaktivist und Assange-Unterstützer, war an dem Abend der Main-Act. Mit seiner auratischen Bühnenpräsenz sorgte er für eine schwungvolle Show. Immer wieder formte er mit seinen Fingern das Friedenszeichen und animierte das Publikum, die Hände in die Luft zu werfen. Im Saal bildete sich eine unglaubliche Energie. Alle tanzten und sangen. Neben den bekannten Stücken „Friedensbewegung“, „Wir könnten“ oder „Mediale Kugeln“ brachte Kilez More ein sehr frisches Stück mit. Wie für den Rapper typisch war es sehr politisch und sprach die vielen Widersprüche an, die heute die Verfassung des sogenannten Wertewestens prägen. Julian Assange hätte die Performance sicherlich gefallen. Das nächste Mal, darüber waren sich alle Künstler einig, sollte er dabei sein – um seine Freilassung zu feiern.

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