Dichterin Marlene Angerer setzt sich lyrisch mit der gegenwärtigen Krise auseinander

Gesellschaftliche Umwälzungen und Krisen sind eigentlich die Stunde der Literaten. Seit jeher reagieren sie auf solche Phasen mit Werken, die den Zeitgeist reflektieren oder kritisieren. Umso überraschender ist es, dass so viele namhafte Schriftsteller in der gegenwärtigen Situation schweigen. Wenn sich Autoren poetisch zu Wort melden, dann meistens aus der zweiten oder dritten Reihe. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Unabhängigkeit von den Institutionen, die den Literaturbetrieb prägen. Eine dieser mutigen Schriftsteller ist Marlene Angerer aus Fürth. Sie verfolgt die Ereignisse rund um die Corona-Krise von Beginn an und versucht, sie sowohl prosaisch als auch lyrisch zu verarbeiten. Dabei sind unter anderem sehr schöne Gedichte entstanden, die den Wahnsinn der heutigen Zeit poetisch in Worte fassen.

Ein Beispiel ist das Werk «Worte finden, wenn Worte fehlen». Darin wird auf subtile Art eine Mentalität kritisiert, die wir für überwunden geglaubt haben, aber gerade in der gegenwärtigen Krise lebendiger denn je zu sein scheint. „Das alte Denken, das alte Verhalten“, heißt es gleich am Anfang. „Lässt uns weiterhin hetzen und spalten / Und mit dem Finger auf andere zeigen / Weil wir Menschen stets dazu neigen / Nur die Fehler der andren zu sehen / Statt unsere Schuld, unser eignes Vergehen.“ Das Gedicht, sagt Angerer, sei aus der Verzweiflung über die politische Spaltung entstanden, über die Hetze der Medien und die unfassbaren Lügen der Regierung. Diese Institutionen stellen die Akteure dar, die im Gedicht eigentlich gemeint sind, obwohl dort allgemein aus der Wir-Perspektive gedichtet wird. Sie und alle Bürger, die dem offiziellen Narrativ folgen und andere ausgrenzen, weil sie eine andere Haltung zur Corona-Politik einnehmen.

Liebe und Vertrauen

Zu diesen Andersdenkenden zählt sich auch Angerer. Sie holt sich ihre Informationen nicht nur aus den Mainstream-, sondern auch aus den alternativen Medien. „Ich lese viel und höre mir Vorträge wirklicher «Experten» und «Wissenschaftler» an“, sagt sie. Auf dieser Grundlage habe sie sich ein umfassendes Wissen über die politischen Hintergründe angeeignet und sei zu dem Schluss gekommen, dass es sich um eine Agenda handle. Wie von ihr abgelenkt wird, beschreibt die Schriftstellerin in ihrem Gedicht so: „Wir bleiben in Theorie und im Konjunktiv stecken / Auch wenn wir ständig Fakten aufdecken und / Das Böse sehr wohl registrieren.“ Um dieses Böse in die Knie zu zwingen, unterstützt Angerer den gewaltfreien Protest auf der Straße. Sie setzt auf Liebe wie auf Vertrauen und glaubt, dass sich das Blatt mit viel positiver Energie wenden lasse. Diese Überzeugung drückt sich nicht zuletzt in den letzten Versen ihres Gedichts aus: „Wir müssen Wahrheit und Licht inhalieren / Und selbst zu einer Quelle der Liebe werden – / Bewusst den Frieden bringen auf Erden.“

Worte finden, wenn Worte fehlen

Literarisch tätig ist Angerer seit ihrer Kindheit. Das erste Gedicht soll im Alter von elf Jahren entstanden sein. Kurze Zeit später folgten schon die nächsten. Waren es anfangs noch lange Märchen, ging die Dichterin dazu über, Beobachtungen, zwischenmenschliche Beziehungen und die eigene Gefühlswelt zu verarbeiten. Zwischendurch entstanden auch Kurzgeschichten und Gedichte mit politischem Inhalt. „Das Schreiben war für mich immer schon ein Ventil und Anker“, sagt sie. Es sei ein probates Mittel, persönliche und gesellschaftliche Krisen zu bewältigen. „Ich verarbeite grundsätzlich mich Belastendes und Bedrückendes. Ich schreibe es mir sozusagen von der Seele.“

Auseinandersetzung mit dem Great Reset

Diese Einstellung kommt auch in ihrem Gedicht «Lied von Leid und Licht» zum Vorschein. Darin setzt sich Angerer mit dem sogenannten Great Reset auseinander, wie ihn das Weltwirtschaftsforum proklamiert hat. „Die Agenda ist glasklar“, beginnt das Stück. „Doch die meisten schrei’n Hurra! / Liegen den Mächtigen zu Füßen / Wollen darben, wollen büßen, / Weil der Kommunismus selig macht / Und der Verstand nie mehr erwacht.“ Findet sich in dieser ersten Strophe das gesellschaftliche Klima aus der Perspektive eines kritischen Ichs beschrieben, erfolgt in den folgenden zwei ein Wechsel. Plötzlich dominiert die Sicht jener, die die „Agenda“ unhinterfragt mittragen. „Gerne bin ich Untertan“, spricht das lyrische Ich im satirischen Ton. „Schaff für andre Kohle ran / Füg mich ein in die Kolonne / Selbst die Verdunkelung der Sonne / Nehme ich ganz folgsam hin, / Weil ich doch gern Sklave bin.“

Auf diese leicht ironischen Verse folgen verallgemeinernde Reflexionen, in denen beklagt wird, dass die gegenwärtige Entwicklung im Zuge des Great Reset ins Verderben führt: Die Menschen verlernen, die Schönheit der Natur zu erleben. Sie vergessen nicht nur ihre Vergangenheit und Kultur, sondern verlieren auch ihre Freiheit sowie die Gabe, echte Gefühle zu kultivieren. Es ist eine trostlose Dystopie, die da beschrieben wird, weshalb zum Schluss des Gedichts ein Aufschrei erfolgt, aus dem deutlich die Stimme der Autorin zu vernehmen ist: „Doch ich harre auf den Herrn! / Und hoffe, er ist nicht mehr fern / Ich möchte in der Liebe bleiben / Und das Böse nicht betreiben / Ich will Wärme und Licht inhalieren / Und die Freiheit in mir spüren / Ich will Menschen umarmen und / nicht warten auf das Erbarmen / Einer Regierung, die uns verrät.“

Lied von Leid und Licht

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2 Gedanken zu “Dichterin Marlene Angerer setzt sich lyrisch mit der gegenwärtigen Krise auseinander

  1. „Dichterin Marlene Angerer setzt sich lyrisch mit der gegenwärtigen Krise auseinander“
    sehr guter Artikel, danke dafür. Hoffe, dass wir noch öfter von dieser mutigen Schriftstellerin lesen werden.

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