6. Dezember 2023

Das diesjährige Musikfestival «Jazztage Dresden» – Vielleicht zum letzten Mal in dieser Form

Am Freitag startet das Musikfestival «Jazztage Dresden» zum 23 Mal. In Deutschland gilt es als das zweitgrößte und vielfältigste seiner Art. Im Rampenlicht stand es zuletzt wegen seines couragierten Intendanten Kilian Forster, der 2021 die Veranstaltung abgesagt hatte, weil er nicht wollte, dass sie unter 2G-Bedingungen stattfindet. Es sei nicht tolerierbar, wenn Menschen von der Kultur ausgeschlossen würden, lautete damals seine Begründung. In diesem Jahr dürfte dem Musikfestival nichts im Wege stehen. Die Begeisterung ist bereits beim Vorverkauf zu spüren. So wie es bislang aussieht, könnte sogar der Rekord von 2019 gebrochen werden. Angesichts der gestiegenen Preise infolge der Inflation ist das durchaus ein gutes Zeichen und deutet darauf hin, dass sich die Menschen nach der langen Durststrecke während der Corona-Jahre nach Kultur geradezu sehnen.

Wenn die «Jazztage Dresden» am 20. Oktober beginnen, bekommt das Publikum die Möglichkeit, fünf Tage lang insgesamt 80 Konzerten zu lauschen. Sie erwartet ein reichhaltiges Programm mit 600 Künstlern aus 30 Ländern. Alles, was in Jazz und Entertainment Rang und Namen hat, wird auf dem Festival vertreten sein, internationale Größen wie die koreanische Pianistin Younee, die norwegische Sängerin Rebekka Bakken oder der australische Multiinstrumentalist James Morrison. Aus Deutschland treten unter anderem der Vibrofonist Wolfgang Lackerschmidt, der Flügelhornist und Trompeter Markus Stockhausen und der Dresdner Thomas Stelzer auf. Für zusätzliche Spannung wird Panta Rhei sorgen, eine Jazzrock-Formation, die sich neu zusammengesetzt hat.

Öffentliche Förderung muss steigen

So erfreulich die Vorverkaufszahlen und so vielversprechend das Programm anmuten, so ungewiss ist die Zukunft des Musikfestivals. Intendant Kilian Forster macht darauf aufmerksam, dass die gestiegenen Kosten allen Beteiligten das Leben schwermachen. „Wir haben Preissteigerungen in der Technik, bei Heizkosten, auch viele Künstlergagen sind gestiegen“, sagt er. Hinzukomme die von der Stadt Dresden erhobene Tourismusabgabe für die etwa 600 Übernachtungen der Künstler vor Ort. Forster beklagt vor allem, dass die Förderung aus der öffentlichen Hand so niedrig ausfällt. Wenn sie nicht deutlich steige, werde das Festival im nächsten Jahr nicht in der gewohnten Form stattfinden. Die Besucher müssten dann nur noch mit „einzelnen Jazztagen“ oder mit einem „touristisch irrelevanten Minifestival“ vorliebnehmen, so Forster.

Was die «Jazztage Dresden» auszeichnet, sind die vielen unbekannten Ensembles, die dort vor einem größeren Publikum spielen dürfen. Das Musikfestival bietet gerade dem Nachwuchs eine Bühne und ermöglicht zugleich dem Publikum, neue und interessante Künstler zu entdecken. Wenn die öffentlichen Gelder jedoch fehlen, verlieren nicht nur die «Jazztage Dresden» ihren Reiz. Auch die Kultur erleidet einen möglicherweise irreparablen Schaden, weil Newcomer in Zukunft immer weniger Auftrittsmöglichkeiten bekommen. Forster hofft daher auf die Einsicht von Stadt und Land, „auch in allgemein schwieriger werdenden Zeiten, die Jazztage als eine Chance für ein international attraktives, hochkarätiges und vor allem weltoffenes, vielfältiges und buntes Dresden und Sachsen zu sehen“.

Nur knapp einen Monat nach den Jazztagen folgt eine Kooperation mit «Kunst ist Leben», einer Künstlerinitiative, die in der Kulturbranche auf Vernetzung setzt, um ihr gerade in Krisenzeiten zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen. Sie ist ein Produkt der Corona-Zeit und will aus ihr lernen, damit die Interessen von Künstlern und Kulturinstitutionen in Zukunft mehr Berücksichtigung finden, wenn die Politik wieder über gesellschaftliche Einschränkungen entscheidet. Seit ihrer Gründung 2021 stellt die Initiative ebenfalls Musikfestivals auf die Beine. Das geplante Kooperationsprojekt ist bereits das vierte. Unter dem Titel «Kunst ist Leben at Jazztage Dresden» laden die Veranstalter Ende November zu einem zweitätigen Event ein, bei dem nicht nur Kilian Forster auftreten wird, sondern auch viele andere Künstler, die seit der Corona-Krise öffentlich auf autoritäre Tendenzen aufmerksam machen und sich für Freiheitsrechte einsetzen.

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