«Lange Töne für den Frieden» – Offene Konzert-Reihe im Zeichen des Pazifismus

„Ein großer Klang geht um die Welt und sendet eine Schwingung von Frieden und Freiheit aus.“ Unter diesem Motto leitet der musikalische Grenzgänger Markus Stockhausen eine Reihe von Konzerten in verschiedenen deutschen Städten. Das nächste findet in wenigen Tagen am 13. Januar in der Heidelberger Heiliggeistkirche statt. „Frieden ist gerade heute wichtiger denn je“, heißt es auf der Homepage des Initiators, auf der er das Projekt vorstellt. „Musik hat die Kraft alle Grenzen zu überwinden und Gemeinschaft zu fördern.“ Die Konzert-Reihe soll in der gegenwärtigen Situation der Gewaltspirale ein pazifistisches Zeichen setzen, mit sanften Tönen und positiven Schwingungen.

Besonders an diesem Projekt ist nicht nur seine inhaltliche Ausrichtung, sondern auch die Offenheit des Gestaltungsrahmens. Teilnehmen dürfen alle, die über eine gewisse musikalische Erfahrung verfügen – sowohl Sänger als auch Instrumentalisten. Ihre Anzahl variiert von Konzert zu Konzert. Seine Premiere feierte das lose zusammenhängende Ensemble am 19. Oktober in Köln-Süd in der Lutherkirche, damals mit 45 Mitwirkenden. Wenige Wochen später zogen die «Langen Töne für den Frieden» in den Dom zu Halle, wo insgesamt etwa 15 Sänger und Instrumentalisten an dem Konzert teilnahmen. Das bisher größte Ensemble mit 50 Mitwirkenden versammelte sich im Dezember wieder in Köln, dieses Mal in der St. Agnes, einer katholischen Pfarrkirche.

Meditative, besinnliche Atmosphäre

Dass die Konzerte meistens in Gotteshäusern ausgetragen werden, begründet Initiator Stockhausen mit der Qualität des Klangs, der dann „ein meditatives, besinnliches, geistiges Element“ enthalte. Wer in der jeweiligen Stadt an dem Projekt teilnehmen möchte, kann sich bei Stockhausen spätestens drei Tage vor dem jeweiligen Termin per E-Mail anmelden. Wichtig sei, dass die Interessenten eine musikalische Vorbildung haben, „um verschiedene Parameter wahrnehmen und einordnen zu können“. Sie sollten in der Lage sein, Lautstärke, Intonation und Harmonien wiederzuerkennen oder die verschiedenen Kirchentonarten kennen.

Initiator Markus Stockhausen / Foto: Gerhard Richter

Wer sich für eine Teilnahme entscheidet, musiziert auf eine ganz besondere Weise: Beim Singen und Spielen sollte das Motto der Konzert-Reihe quasi empfunden und gelebt werden. Die Musiker bereiten sich vor dem Auftritt so vor, dass sie in ihrem Inneren Frieden verspüren. Gleiches gilt für das Publikum, das dazu eingeladen wird, sich mental auf diese Atmosphäre einzustimmen. „Äußerer Frieden kann nur das Ergebnis eines inneren Friedens sein“, heißt es auf der Homepage.

Musikalische Form der Konzerte

Die musikalische Form sieht so aus, dass sowohl Sänger als auch Instrumentalisten zunächst lange Töne mit mehreren Pausen hervorbringen. In einer zweiten Phase darf dann improvisiert werden. Solisten etwa dürfen nach vorne treten. Stilistisch genießen die Teilnehmer in dieser Zeit völlige Freiheit, wobei es sogar erwünscht ist, dass sich die Performance nicht einordnen lässt. Selbst Bewegungen sind erlaubt. In der dritten Phase kehrt man zum Anfangspunkt zurück, damit es zu einem schönen Ausklang kommt, bei dem das Publikum die Möglichkeit zum Mitsingen oder -tönen bekommt.

Die knapp einstündigen Konzerte dienen keinem kommerziellen Zweck, sondern verstehen sich als Wohltätigkeitsveranstaltungen. Der Eintritt ist kostenlos, die Gäste können aber spenden. Die Einnahmen kommen anschließend entweder den Musikern, dem jeweiligen Konzertort oder einer Hilfsorganisation zu – je nach Präferenz der Geldgeber. Der Hauptzweck liegt jedoch darin, mit dem „um die Welt gehenden Klang“ zum Ende des Krieges beizutragen.

Titelbild: Konzert in Köln / Screenshot

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