24. Februar 2024

«Zeichnungen zur Corona Krise» – Ein Bildband von Angelika Gigauri

Mit der Corona-Politik sind die westlichen Werte ins Wanken geraten. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit werden im Eiltempo abgebaut. Wer im Jahr 2021 einen Blick auf Deutschland wirft, findet eine zutiefst gespaltene Gesellschaft vor. In solchen Phasen ist auch die Kunst gefragt. Sie muss auf die Missstände aufmerksam machen und den Herrschenden den Spiegel vorhalten. Momentan tut sie das allerdings nur sehr zaghaft. Als eine der wenigen engagiert sich die in Kulmbach lebende Künstlerin Angelika Gigauri. Seit März 2020 nimmt sie sich der gesellschaftlichen Ereignisse rund um die Corona-Politik an und verarbeitet sie in kleinen Zeichnungen, auf denen immer ein Kopf mit einem Virus als Krone abgebildet ist. Dieses Motiv unterscheidet sich jedes Mal dadurch, dass das Haupt jeweils andere Gedanken enthält.

Nun hat Gigauri einen Bildband herausgebracht, in dem ein Jahr ihrer Arbeit dokumentiert ist. «März 2020 – März 2021. Ein Zeitdokument» heißt er im Untertitel. Enthalten sind hier die ersten 49 Zeichnungen, kleine Schwarz-Weiß-Bilder im DIN-A-3-Format, für die Gigauri einen Pigmenttuschestift benutzt hat. „Jede Arbeit ist angelehnt an einen bestimmten Gedanken“, schreibt sie in ihrem Vorwort – einen Gedanken, „welcher sich durch Beobachtung, Wahrnehmung, Hinterfragen der Umstände sowie Studium spiritueller Inhalte zum momentanen Zeitgeschehen entwickelt hat.“

Themen der Bilder

Das letzte Bild der Jahresserie trägt den Titel «Spaltungen überwinden». Der Kopf mit Virus-Krone ist auf der linken Seite komplett mit Schwarz bemalt, während die rechte weiß bleibt. In der Mitte verläuft eine vertikale Herz-Reihe, die ebenfalls eine farbliche Zweitteilung aufweist – allerdings entgegensetzt zum Kopf. Was diese Zeichnung aussagen will, leuchtet unmittelbar ein: Zusammenhalt statt Spaltung.

Erste Zeichnung: „Ziele und Perspektiven sind für die Zukunft wichtig“

Als Anregung ist auch das 48. Bild gemeint. Es heißt «Corona-Ausschuss.de» und bezieht sich auf das Gremium um die vier Anwälte Viviane Fischer, Reiner Füllmich, Antonia Fischer und Justus P. Hoffmann. Abgebildet sind jedoch nicht sie, sondern das mittlerweile ikonisch gewordene Banner, mit dem ein Kleinflugzeug seit langer Zeit für die Expertenrunde wirbt. Auf dem Bild fliegt es an dem Kopf vorbei, sodass die Aufschrift «Corona Ausschuss.de» den Gedanken darstellt, mit dem das Haupt jedes Mal gefüllt wird.

Kunstaktionen im öffentlichen Raum

Zusätzlich zu den 49 Zeichnungen enthält der Bildband mehrere Fotos von Kunstaktionen, an denen sich Angelika Gigauri mit ihren Arbeiten beteiligt hat. Zu ihnen gehört in erster Linie die Mahnwache für Kunst und Kultur in Berlin. Zunächst fand sie vor dem Kanzleramt statt, dann am Pariser Platz und schließlich auf dem Potsdamer Platz, wo sie mehrere Monate andauerte. Die Fotografien dokumentieren, wie Gigauris Zeichnungen im Großformat auf diesen Veranstaltungen das Bild prägen. Während sie hier überwiegend für alle Passanten sichtbar auf dem Asphalt stehen, werden sie bei einer bewegten Kunstausstellung auf dem Markplatz in Kulmbach von Teilnehmern in die Höhe gehalten. Auf einer der Fotografien tut es auch die Künstlerin selbst, befindet sich dabei aber inmitten einer Großdemonstration in Berlin.

Der Bildband ist ein beeindruckendes Zeitdokument, das nicht nur Emotionen transportiert, sondern auch zum Nachdenken anregt. Er visualisiert die Probleme und bietet Lösungen an. Er konserviert aber auch eine Phase der Geschichte, die durch gesellschaftliche Konflikte und Umbrüche gekennzeichnet ist. In wenigen Jahren wird der Bildband daran erinnern, wie alles begann und wohin die Reise ging. Allein deswegen sollte er in jeder Bibliothek stehen. Es ist ein Stück Geschichte, das sich durch seine materielle Beschaffenheit dem Vergessen entzieht.

Angelika Gigauri: «Zeichnungen zur Corona Krise», Preis: 12 €, bestellbar unter: https://angelika-gigauri.de/kontakt/

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