«Fake News» – Französische Komödie karikiert medialen Wahnsinn von heute

Die mediale Debattenkultur nimmt seit Jahren Auswüchse an, die einen zivilisatorischen Rückschritt darstellen. Es wird gepöbelt, ausgegrenzt, moralisiert und vor allem draufgehauen – nicht nur im Fernsehen, sondern vor allem auf Twitter und Co. Wo aber der Empörungsmodus vorherrscht, ist die Manipulation nicht weit. Den medialen Alltag samt seinem Wahnsinn nimmt eine neue französische Komödie aufs Korn, so köstlich und mit einer derartigen Lust an der Provokation, dass es geradezu erfrischend wirkt. «Fake News», so der bezeichnende Titel des auf PantaRay abrufbaren Streifens, führt mitten in den Sumpf des gesteigerten Moralismus woker Meinungsführer.

Bereits im Vorspann entschuldigen sich die Filmemacher mit erkennbarer Ironie bei all jenen, die sich möglicherweise beleidigt fühlen. Das Drehbuch sei auf Recyclingpapier geschrieben worden, heißt es, bevor den Zuschauern gute Unterhaltung gewünscht wird: „Genießen sie den, die, das Film.“ Solche Anspielungen auf Themen und Sprache der woken Blase begleiten die knapp 80-minütige Handlung auf Schritt und Tritt, obwohl sie sich um eine sensationsheischende Inszenierung in einer Fernsehshow dreht. Deren Moderatorin ist so ambitioniert wie enttäuscht, dass ihre Sendung keine höheren Einschaltquoten erreicht. Da kommt ein gewiefter Musik-Manager gerade recht. Sein Schützling, ein gerade aus der Haft entlassener Rapper, erhält in einer Live-Ausstrahlung von einem gaunerhaften Lebenskünstler überraschend eine Ohrfeige. Schnell breitet sich dieser Vorfall in den sozialen Medien aus, mit Kommentaren, die unter die Gürtellinie gehen. Also entschließen sich die Moderatorin und der Manager kurzerhand, ihn als Terroranschlag aufzubauschen.

Illustre Typen

So skurril diese Idee anmutet, so erfolgreich ist sie – und passt zur Tonalität des Films, der mit herrlichen Dialogen und überzeichneten Figuren die Wahrheit hinter dem Humor durchschimmern lässt. Das Ensemble besteht aus Typen wie dem bereits erwähnten Trickser, der an nichts anderes denkt als an Geld und sich durch das Leben mogelt. Der Rap-Star gibt sich hingegen hart, trägt das Herz aber auf dem rechten Fleck. In der Live-Sendung trifft er auf zwei Gäste, die als Antagonisten fungieren: Ein identitärer Komiker und ein „toleranter“ Regisseur, der auch allen anderen rät, tolerant zu sein. Wenn ihre Verwicklungen ins Rollen kommen, wimmelt es nur so vor aberwitzigen Diskussionen über falschen Feminismus, gut gemeinte Flüchtlingspolitik, Achtung vor Diversität oder über richtige Ernährung. Bezeichnend dafür ist eine Szene, in der zwei Polizisten in einem Fast-Food-Restaurant „glutenfreies“ Essen bestellen.

Die beiden Regisseure Mouloud Achour und Dominique Baumard lassen kaum einen Aspekt der gegenwärtigen Political-Correctness-Hysterie aus. Im Laufe des Films drehen sie die Schraube immer weiter, um die Jagd nach Klicks genauso zu karikieren wie den Sensationsjournalismus. Ihre Komödie führt leichtfüßig vor Augen, wie schnell heute Ereignisse zu Nachrichten werden, ohne wirkliche Relevanz zu haben. Dabei geht es immer um Interessen diverser Akteure, die das Volk unterhalten und dabei Geld verdienen wollen. Die Strategie scheint aufzugehen. Um die sensationsgetriebene Debattenkultur in den sozialen Medien hat sich ein riesiger Markt gebildet. Achour und Baumard bilden diese Entwicklung sarkastisch ab, ohne dass die Kritik auf der Strecke bleibt.

Während ein solche Komödie in Deutschland undenkbar ist, beweist Frankreich ein weiteres Mal, dass seine Filmemacher den Mut aufbringen, ein minendurchsetztes Terrain zu betreten. Sie schwimmen nicht mit dem Strom und bleiben auch nicht aus Sorge vor einem Shitstorm schweigsam, wenn sie Fehlentwicklungen wahrnehmen. Ihre Waffe ist der Humor. Man muss über kontroverse Themen auch lachen können. Nur so lassen sich verkrustete Meinungsstrukturen auflockern. Nur so kann wieder so etwas wie eine pluralistisch geprägte Debattenkultur entstehen. Es bleibt zu hoffen, dass die hiesigen Filmemacher von solchen Produktionen wie «Fake News» ermutigt werden, den woken Moralismus unverkrampft gegen den Strich zu bürsten.

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