Die siebte «NuoViso Comics»-Ausgabe widmet sich dem Ukraine-Konflikt

Der Ukraine-Krieg hat Corona als dominantes Thema abgelöst. Das macht sich nicht nur im Mainstream, sondern auch in den alternativen Medien bemerkbar. Ein gutes Beispiel ist die neue Ausgabe der NuoViso Comics, die ganz im Zeichen des eskalierten Konflikts steht. Als Russland im Februar seine „militärische Sonderoperation“ gestartet habe, sei er angesichts der darauffolgenden Ereignisse und Bilder schockiert gewesen, schreibt Herausgeber Frank Höfer im Editorial. Dabei zählt er zu den Wenigen, die den Ukraine-Konflikt seit den Maidan-Unruhen im Jahr 2014 intensiv mitverfolgen. Damals ließ er sich von den Ereignissen dazu hinreißen, mehrere Dokumentationen und Reportagen zu diesem Thema zu produzieren. Als besonders ergiebig erwies sich dabei die Zusammenarbeit mit dem investigativen Filmemacher Mark Bartalmai, der sich zu jener Zeit direkt im Krisengebiet befand und Höfer mit exklusivem Material versorgte.

Wie es zu diesem Kontakt kam, wie sich die Kooperation in den folgenden Monaten gestaltete, erzählt gleich die erste Geschichte im Comics-Heft. «Ukrainian Agony» heißt sie – genauso wie der später entstandene Dokumentarfilm, den Höfer 2015 auf YouTube veröffentlichte. Zählte der Streifen bis zum Kriegsausbruch im Februar noch knapp 200.000 Aufrufe, gingen die Klickzahlen seitdem in die Höhe und überschritten die Millionen-Marke. In der kurzen Comic-Story gibt Mark Bartalmai unter anderem Details zu seiner Motivation preis, nach Donbass in das Kriegsgebiet zu reisen. Es kommen aber auch die Hintergründe zur Sprache, die in den westlichen Medien falsch dargestellt wurden. Die Bilder hätten das Narrativ nicht gestützt, so der im Comic auftretende Investigativfilmer. Was tatsächlich passierte, wird schließlich in allen Einzelheiten ausgebreitet.

Vorhersage Daniele Gansers

Die wahren Hintergründe sind den meisten Menschen nicht bekannt. Was in einem Krieg als allererstes stirbt, ist die Wahrheit. Deswegen bemüht sich die neue Comics-Ausgabe, wieder ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. In diesem Zuge wird zum Beispiel an einen Vortrag Daniele Gansers aus dem Jahr 2015 erinnert, in dem der Historiker und Friedensforscher vorhersagte, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Ukraine lieber in einen Bürgerkrieg stürzen würde, als sie der Nato zu überlassen. Leider sei genau das eingetroffen, gibt er im anschließend abgedruckten Interview zu bedenken. Darin äußert er auch seine Einschätzung, wie groß die Kriegsgefahr für EU- und NATO-Staaten ausfällt. Ganser antwortet in gewohnter Manier sehr besonnen, indem er die Aufmerksamkeit darauf lenkt, wie der Konflikt am besten zu lösen wäre. Zum Schluss gibt der Historiker einige Tipps, wie man mit den vielen schlechten Nachrichten der letzten Zeit mental umgehen sollte.

Vortrag von Daniel Ganser

Kommen diese ersten Seiten aufgrund der angespannten Situation ernst daher, versprühen die darauffolgenden Comics-Geschichten ein wenig Humor. Aufgegriffen wird zum Beispiel der Aufreger bei den Oscar-Verleihungen, für den Schauspieler Will Smith mit einer krachenden Ohrfeige sorgte. Warum er sich zu diesem Schritt entschieden hat, darüber gibt es in dem Heft eine eigene Version – erzählt mit einem Augenzwinkern. Das Ende fällt jedenfalls ziemlich überraschend aus. Mit viel Witz ist auch die Story «Schon gechippt» aufgeladen, wobei das Lachen an manchen Stellen im Halse stecken bleibt – so dystopisch wirkt die «neue Normalität», die sich im Zuge der Corona-Politik ihren Weg bahnt. Die letzte Geschichte karikiert schließlich den Moralismus der woken Generation, indem sie die Handlung ins Fitnessstudio versetzt, wo zwei Aktivistinnen mit Maske in einer Überlegenheitsattitüde überall etwas zu bemängeln haben.

Auch in der mittlerweile siebten Ausgabe der NuoViso Comics gelingt es den Machern, Spaß und Ernst so aufeinander abzustimmen, dass die Leser gleichzeitig unterhalten, informiert und aufgeklärt werden. Es ist ein subtiler Mix aus Sozialkritik und Entertainment, eine Momentaufnahme des Zeitgeschehens, die in Bild und Schrift auf die gesellschaftlichen Missstände verweist. Diese zeigen sich insbesondere in der medialen Darstellung der Wirklichkeit, weshalb das aktuelle Heft mit Verve daran arbeitet, die verzerrten Tatsachen wieder geradezurücken. Die Wahrheit lässt sich nur aus verschiedenen Perspektiven erkennen. Damit das gelingt, bieten die Comics einen alternativen Blick auf die Dinge.

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