Im Dezember veranstaltete die Internationale Agentur für Freiheit (IAFF) in der Berliner Musikbrauerei wieder einmal eine Ausstellung mit Bildern kritischer Künstler. Unter dem Titel „Wem gehört die Welt? DROP ART not BOMBS“ widmeten sich die Kuratoren dem Thema Krieg und präsentierten Arbeiten, die dieses Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten – mal bissig und sarkastisch, mal einfühlsam und pointiert, immer jedoch im pazifistischen Gestus.
Vertreten waren Maler wie Clement Loisel, Berthold Bock und Frank J. Schäpel, aber auch Zeichner wie Arndt Nollau, Collagisten wie Jill Sandjaja oder Karikaturisten wie Oliver Sperl. Es war ein Potpourri aus unterschiedlichen Stilen und Ausdrucksformen, das sich drei Tage lang auch im Rahmenprogramm niederschlug.
Die Eröffnungsrede hielt Kayvan Soufi-Siavash. „Wann wird Kunst laut?“, fragte der Aktivist und Publizist gleich zu Beginn und benannte ihr Versagen mit markigen Worten, indem er an deren Schweigen in den vergangenen Krisenjahren erinnerte. Soufi-Siavash zitierte die „leise“ daherkommende Propaganda meinungslenkender Institutionen, Medien und Politiker, rekapitulierte die Ungeheuerlichkeiten während der Corona-Zeit, betrauerte die Zeiten, als noch große Namen wie Jimi Hendrix auf kunstvolle Weise Kritik am Vietnam-Krieg übten, und beklagte, dass derartige Töne aus der Kultur heutzutage nicht mehr zu vernehmen sind.
Gemeint war der kulturelle Mainstreambetrieb, nicht die alternative Kulturszene. Denn die erhebt seit über fünf Jahren beherzt ihre Stimme, sehr laut sogar – auch an jenen drei Tagen in der Musikbrauerei. Bei der Eröffnung bot Chansonsänger Karsten Troyke einige seiner Lieder dar, am Tag darauf betrat Yann Song King die Bühne. Zum Abschluss gab es noch mehr Musik, nicht nur von Jens Fischer und Alexa Rodrian, sondern auch von dem Rapper Bustek, der stimmgewaltigen Mea Liebe und dem Tausendsassa Peyoti for Präsident. Zum Schluss legte DJ Captain Future seine „Schwurbel“-Hits auf. Zwischendurch gab es Vorträge und Lesungen sowie eine Talkrunde, in der die „Aufgabe der Kunst“ diskutiert wurde.
An die gut besuchte und äußerst erfolgreiche Ausstellung erinnert nun ein Kalender, in dem die IAFF Bilder der jeweiligen Künstler gebündelt hat. Aro VonRoya ist mit einem ikonografischen Werk vertreten, das in Anlehnung an das „Yin-und-Yang“-Symbol die Friedenstaube ins Zentrum rückt. Eine solche bildet auch Ina Dziggel ab, allerdings in klassischer Malerei, während Torsten Orel das WHO-Logo in einem Sprachspiel verfremdet und seine Kritik im Titel äußert: „Weltgewaltordnung“.
Von Michael Lezian ist eines seiner typischen Acryl-Bilder im Comicstil enthalten, von Simon Rosenthal ein Bild seiner Skulptur „The rise and fall – Ein alter Hut mit neuen Zöpfen“. Christopher Balzer rundet den Kalender mit einem Werk im Expressionismus-Stil ab. „Auf der Kante der großen Welt“ heißt es und beschreibt den gegenwärtigen Zustand so metaphorisch wie präzise.
Bild: Siggi von Vril
