26. Oktober 2021

«TRAUM WEITER!» – Doku über Abenteurer und private Revolutionen

Revolutionen müssen nicht unbedingt das große Ganze betreffen. Manchmal reicht es aus, wenn sie im persönlichen Umfeld stattfinden. Viele Menschen hegen den Wunsch, etwas in ihrem Leben zu verändern, trauen sich aber nicht, diesen Schritt zu gehen. Doch es gibt Ausnahmen. Ihnen widmet sich eine neue Dokumentation, die ab dem 30. September in den Kinos zu sehen ist. «TRÄUM WEITER! Sehnsucht nach Veränderung» folgt fünf Charakteren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Joy, Van Bo, Line, Carl-Heinrich und Günther haben einen jeweils anderen biografischen, beruflichen und sozialen Hintergrund, teilen aber die Erfahrung, zu neuen Ufern aufgebrochen zu sein. Sie alle verfolgen ihre Visionen und lassen dabei ihr vorheriges Leben hinter sich.

„Ich bin jemand, der quasi Panik kriegt in der Vorstellung, dass er den Rest seines Lebens immer genau das Gleiche oder etwas Ähnliches machen würde“, sagt Carl-Heinrich von Gablenz, der sich schon in vielen Rollen ausprobiert hat und nun davon träumt, nachhaltige Luftschiffe zu entwerfen. Wie dieses Projekt sind auch die anderen vier sehr speziell. Joy Lohmann arbeitet an schwimmenden Inseln, um unter anderem Flüchtlingen zu helfen. Sollten sie auf dem Seeweg kentern, können sie hier zumindest temporär Zuflucht finden, so die Idee. Line Fuks hat sich hingegen zum Ziel gesetzt, ihren Kindern eine Bildung zukommen zu lassen, die selbstbestimmt erfolgt. Gemeinsam sind sie nach Portugal gezogen, wo es keine staatliche Schulpflicht geben soll. Hier leben sie abgelegen und eignen sich Dinge und Wissen in einem Rhythmus an, den sie selber wählen. Die innere Motivation bestimmt den Takt.

Schwimmende Insel

Nicht weniger interessant klingt das Projekt des Musikers Günther Golob, der unbedingt zum Mars fliegen will und nun ein hartes Bewerbungsprogramm durchläuft, um sich diesen Traum zu erfüllen. Der Architekt Van Bo Le-Mentzel möchte eher der Gesellschaft dienen und verfolgt das Ziel, Wohnraum für alle zu schaffen – möglichst erschwinglich. Um das zu erreichen, hat der 42-Jährige seinen Job bei einer renommierten Firma gekündigt. Seitdem entwirft er sogenannte «Tiny Houses».

Interessante, unaufgeregte Porträts

Diese Projekte sind nicht abgeschlossen, befinden sich aber in einem mehr oder weniger hohem Entwicklungsstadium. Wenn die Protagonisten darüber sprechen, spürt man die Leidenschaft, mit der sie ihre Visionen verfolgen. Sie beschreiben, was sie dazu bewogen hat, was sie an dem neuen Vorhaben reizt und was sie dabei lernen. Die Richtungsänderung gleicht einem Sprung ins kalte Wasser, zahlt sich am Ende aber aus. Wer den Protagonisten zuhört, merkt das an der inneren Zufriedenheit, die sie ausstrahlen.

Der Film ist eine Collage unaufgeregter Porträts, die beeindrucken und Mut machen. Um sie zu zeichnen, hat der Dokumentarfilmer Valentin Thurn «Taste the Waste») die Protagonisten drei Jahre lang begleitet. Dabei sind ihm stimmungsvolle Aufnahmen gelungen. Seine Kamera fängt teilweise spektakuläre Momente ein, in denen die fünf Abenteurer handwerklich tätig sind, über Zeichnungen sitzen oder wie Günther körperliches Training absolvieren. Thurn folgt ihnen bis in den privaten Bereich, wo sie sich im familiären Kreis entspannen und über ihre Bestimmung sinnieren. „Es ist nicht meine Aufgabe, nur noch Dinge zu tun, die für mein privates Glück sorgen“, sagt etwa Van Bo Le-Mentzel, „sondern ich muss irgendetwas tun, was anderen Menschen auch hilft.“

Dem Filmemacher Thurn ging es darum auszuloten, wie Menschen, die ihrem Alltagstrott entfliehen wollen, ihren Wunsch nach Veränderung in die Tat umsetzen. Das ist ihm hervorragend gelungen. Die Dokumentation bewegt sich gleichsam meditativ von Szene zu Szene. Von ihnen geht eine Faszination aus, die sofort ansteckend wirkt. Man fühlt sich ermutigt, es den Protagonisten gleich zu tun – das alte Leben hinter sich zu lassen und ein neues zu beginnen. Alles ist möglich, es liegt nur an der Einstellung. Wer seine Ziele mit Hingabe verfolgt, wird jede Hürde überwinden. Das ist die Message, die der Film in ausdrucksstarken Bildern sendet.

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