«Schwerstbegabt» – Alex Olivari und SchwrzVyce karikieren mit provokantem Song die Jugend

Der Liedermacher Alex Olivari und der Rapper SchwrzVyce sind zwei Musiker, die schon sehr früh kritische Songs zur Corona-Politik veröffentlichten. Ihre Stücke wie «Deutschland, zeig dein Gesicht» oder «Fake News Media» haben die Protestbewegung geprägt. Nun ist ein gemeinsamer Song der beiden herausgekommen. «Schwerstbegabt», so der Titel, thematisiert das verblüffende Phänomen, dass der Großteil junger Menschen in der gegenwärtigen Krise sich in den privaten Bereich zurückzieht, anstatt für die Freiheitsrechte zu kämpfen.

Wer in den letzten knapp 22 Monaten an einer der zahlreichen Demonstrationen gegen die Corona-Politik teilnahm, dürfte das schnell bemerkt haben. Das Publikum besteht hauptsächlich aus Menschen, die die Mitte ihres Lebens bereits überschritten haben. „Sag mir, wo die Jungen sind“, singt Alex Olivari zum Auftakt und berührt damit ein Problem, an dem sich nicht wenige Maßnahmen-Kritiker den Kopf zerbrechen. „Ich suche sie, doch ich kann sie nicht finden / Sind sie etwa am Schlafen in ihrer TikTok-Blase? / Die harten Gangster sitzen weinend auf ’m Klo / Suchen ihre Eier mit dem Mikroskop / Die coolen Bitches haben von nix ’nen Plan / Betteln wie die Junkies nach der nächsten Nadel.“

Oberflächlichkeit statt Tiefgang

Der Songtext enthält ein paar deftige, provokative Zeilen, die aufrütteln sollen. In überspitzter Form konfrontieren sie die Jugend mit ihrer eigenen Lebenswelt, die bloß auf leeren Worten und effektheischenden Posen beruht. Die glitzernde Oberfläche scheint wichtiger zu sein als die tieferliegenden Fragen unserer Zeit, in der die Gesellschaft auf Abwege kommt. Anstatt die Missstände zu hinterfragen, wird dem Konsum gefrönt. An dieser verlogenen, bornierten Haltung übt auch SchwrzVyce Kritik. „Wo seid ihr nur? Keiner von euch ist zu sehen auf weiter Flur“, rappt er in «Schwerstbegabt». „Schwimmt alle in dem Mainstream, Scheiße pur / Fragt, was hier los ist – keine heiße Spur? / Ihr wolltet doch so gerne richtig Gangster sein / Doch jetzt scheißt ihr alle eure Pampers ein / Ihr spielt gerne Fortnite und ballert rum / Doch in diesem Krieg seid ihr alle stumm.“

Alex Olivari

Die Initiative für das gemeinsame Lied kam von Alex Olivari. Der Pop-Musiker produziert seit der Corona-Krise einen Song nach dem anderen und übt darin oftmals Kritik an ganz bestimmten Gruppen, die dem unmenschlichen Regierungskurs servil folgen. In «Helden unserer Jugend» thematisierte er das Duckmäusertum der einst rebellischen 68er-Generation. In eine ähnliche Richtung ging der Song «Wir wollen Euch unterhalten», der die Unterwürfigkeit von Entertainment-Promis karikiert. Nach einigen einschneidenden Erfahrungen auf Demonstrationen und im privaten Umfeld wollte Olivari schließlich die politische Passivität der Jugend verarbeiten und suchte nach einem kooperierenden Künstler, der mit seinem Alter einen näheren Bezug zu dieser Generation hat. Da er SchwrzVyce schon länger kennt und mit ihm in regelmäßigem Kontakt steht, trat er an den Rapper aus Hessen mit der Idee heran, an seinem Song mitzuwirken. Dann ging alles sehr schnell.

Jazziger Sound

Während jeder der beiden seinen textlichen Part selber schrieb, übernahm Olivari Komposition, Arrangement und Produktion. Musikalisch kommt der Song als eine spritzige Melange daher, die spielerische Anspielungen auf den 80er-Sound des Jazz-Gitarristen George Benson enthält. Er habe für SchwrzVyce einen passenden Klangteppich legen wollen, erzählt Olivari, damit es für ihn einfacher sein würde, darauf zu rappen. „Klassische Jazzakkorde mit vier, fünf Klängen sind im Hip-Hop eher selten“, so der Kölner. „Deswegen sollte der Beat auch nicht zu jazzig sein.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Alex ist ein krass professioneller Musiker“, beschreibt SchwrzVyce die Zusammenarbeit. „Es wirkt zunächst, als hätte er eine ganze Band, doch er macht das alles alleine.“

SchwrzVyce

Musikalische Professionalität zeigt Olivari auch auf der textlichen Ebene. Sein Part zeichnet sich durch pointierte Formulierungen und witzige Wortkreationen aus, mit denen insbesondere der Refrain durchsetzt ist: „Ihr seid ohne Frage schwerstbegabte Wohlstandskinder, Notstandsgutfinder / Klimafetischisten, Pornospezialisten, betreute Denker, Freiheitsabschenker“. Die Zeilen seien bewusst zugespitzt, so Olivari. Mit ihnen wolle er die Jugend dazu animieren, das Smartphone auszuschalten, aus der virtuellen Welt herauszukommen und Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. „Vielen ist gar nicht bewusst, dass wir, die ältere Generation, gerade für ihre Zukunft kämpfen.“ Wenn sie weiterhin in Freiheit leben wollten, müssten sie aber auch selber aktiv werden, sagt der Musiker.

Falsche Erziehung

Natürlich gebe es noch tollte junge Leute, die sich engagieren und die politisch-gesellschaftliche Entwicklung infrage stellen. Aber es sei eine sehr kleine Minderheit. Der Großteil lasse sich in die Irre führen und von den Produkten der Spaßindustrie berieseln. „Die Jugendlichen interessieren sich überhaupt nicht mehr für Politik, sondern folgen lieber auf TikTok irgendwelchen Promis“, beschreibt SchwrzVyce das Phänomen. „Es ist eine Generation, die von Medien und kommerziellen Formaten eingelullt wurde.“ Das kritische Denken gehe verloren, so sieht es auch Alex Olivari. Eine Erklärung dafür liege für ihn unter anderem in der Erziehung.

Die heutige Jugend sei anders aufgewachsen und habe von den Eltern weniger Ansprachen erhalten. „Sie ist einerseits in einer Überflussgesellschaft groß geworden – und andererseits mit einer dominanteren staatlichen Indoktrination.“ Das zeige sich daran, dass die Kinder immer mehr Zeit in Schule und Hort verbringen. „Dadurch bleiben sie der elterlichen Erziehung und Betreuung entzogen“, so Olivari. In «Schwerstbegabt» spitzt er diesen Gedankengang in gewohnt provokanter Art zu: „Ich weiß, wir sind es ja selber schuld / Hätten euch besser öfter den Arsch versohlt / Hätten euch besser selber erzogen / Stattdessen wurdet ihr von Mutter Staat verbogen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Kritik ankommt. Auf den deutschlandweiten Demonstrationen gegen die Corona-Politik wird die Jugend schmerzlich vermisst.

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