Der heutige Literaturbetrieb ist hart umkämpft. Wer sich gegen die Konkurrenz durchsetzen will, muss hart arbeiten und nicht nur schriftstellerische Qualitäten unter Beweis stellen. Philipp Knauss kennt die Mechanismen. Als Drehbuchautor, Produzent und erfahrener Akteur im Verlagswesen bewegt er sich seit Jahren zwischen Film, Fernsehen und Literatur. Nun hat auch er einen Roman vorgelegt, einen, der die Schattenseiten des Betriebs thematisiert. Es geht um Abhängigkeiten und Macht, um Geltungsdrang und kommerzielle Ansprüche.
Knauss hat sich jedoch für einen Thriller-Plot entschieden, vermutlich weil sein vom Film geprägter Schreibstil zu diesem Genre am besten passt. Was nach nur wenigen Seiten auffällt, sind die schnellen Schnitte und häufigen Szenenwechsel. Die Sprache ist rasant, sie konzentriert sich in ökonomischer Absicht darauf, die Handlung voranzutreiben. Knauss arbeitet mit knappen Beschreibungen und einfachen Dialogen. Immer wieder bricht in ihm der Drehbuchautor durch, etwa wenn er Szenen mit Sätzen wie diesem einleitet: „Mitten in der Nacht. Elise klopfte.“
Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht der erfolglose Schriftsteller Alexander Schott. Seit Jahren Schreibt er fleißig und bemüht an Manuskripten, kann aber keinen Verlag finden. Sein Agent spornt ihn trotzdem zu Höchstleistungen an, auch weil er mit dessen literarischen Ergüssen selbst nicht viel anzufangen weiß. Die Einzige, die Alexanders Texte zu lieben scheint, ist seine Freundin Elise. Doch diese Hingabe bringt sie schon bald in Gefahr.
Die Verwicklungen beginnen dann aus dem Ruder zu laufen, als ein erfolgreicher Verleger und ein Bestseller-Autor in Alexanders Leben treten und ihm ein schmutziges Geschäft anbieten. Er soll seinen Namen für die Veröffentlichung eines Schlüsselromans hergeben, in dem private Geheimnisse des eigentlichen Autors verarbeitet werden – fast so wie in Maxim Billers „Esra“. Wie dieser Klassiker sorgt auch die Veröffentlichung in Knauss’ Geschichte für einige Probleme. Das Buch wird zwar ein Erfolg, aber den Ruhm heimst nicht Alexander ein, sondern der schmierige Verleger.
Als sich Elise in die Angelegenheit einmischt, ist die Katastrophe perfekt. Während sie infolge der Verstrickungen stirbt, landet Alexander hinter Gittern. Ob er der Täter ist, wird relativ schnell aufgelöst. Trotz solider Filmdramaturgie gelingt es Knauss nur bedingt, Spannung aufzubauen. Die Handlung ist derart konstruiert und so weit von der realen Lebenswelt entfernt, dass es schwerfällt sich auf die Geschichte einzulassen. Alles wirkt überzeichnet, allen voran die Figuren. Teilweise ist der Roman weniger ein Thriller als eine Groteske. Das mag intendiert sein, ändert aber nichts daran, dass die Geschichte auf der Leinwand besser platziert wäre als zwischen zwei Buchdeckeln.
Interessant ist Knauss’ „Feedback“ dort, wo die heiklen Facetten des kommerziellen Literaturbetriebs von heute authentisch abgebildet werden. Mittlerweile geht es darin weniger um literarische Qualität oder Originalität als um Verkaufszahlen, weshalb es zur gängigen Praxis gehört, ganze Teams arbeitsteilig an einem Werk schreiben zu lassen, dass dann unter einem Namen erscheint, der die besten Vermarktungsaussichten hat. In „Feedback“ spielt Knauss’ auf diese Pervertierung an und ist dort überzeugend, wo er das Thema ironisch bricht. Auf der Ebene des Plots ist dessen Verarbeitung jedoch enttäuschend.
