„Prometheus“ – Netzwerk für alternative Literatur

Herr Campanella, Sie haben das Literaturnetzwerk „Prometheus“ gegründet. Erklären Sie doch bitte seine Funktionsweise? Was erwartet die Leute, die ihm beitreten wollen?

„Prometheus“ fungiert als dezentrales Netzwerk, das verschiedene Kanäle nutzt, um Informationen auszutauschen und Interessenten zu verbinden: eine Mailinglist, Instagram, Discord, persönliche Kontakte usw. Manche Kanäle sind öffentlich. Es ist also keine formelle Mitgliedschaft nötig, um sich zu organisieren. Wir sind (noch) kein Verein. Die Leute erwartet eine moderierte und funktionale Infrastruktur für Kontakte, Termine und Projekte. „Prometheus“ lässt sich aber auch als digitales Kaminzimmer nutzen, um über Literatur zu plaudern oder sich zu informieren, was abseits des Feuilletons gerade passiert.

Aus welchen Beweggründen heraus haben Sie dieses Projekt begonnen?

Ich bin selbst als Autor, Literaturwissenschaftler und Stipendiat am etablierten Literaturbetrieb beteiligt gewesen, beobachte ihn seit langem und kenne auch arrivierte Autoren persönlich. Und ich habe nicht als einziger bemerkt, dass sich die Verhältnisse dort ungünstig verschoben und vereinseitigt haben. Die offizielle deutsche Literatur wirkt zeitweise wie eine getarnte NGO, die Bücher als Mittel für politische Ziele einsetzt. Diese Ziele decken aber zum einen längst nicht das gesamte Spektrum der Gesellschaft ab; zum anderen bleibt kaum Platz für unpolitische Literatur. Beides möchten wir im Kleinen korrigieren.   

Welche Ziele verfolgen Sie konkret?

Das Unerhörte hörbar zu machen, ist unsere Prämisse: unterdrückte und geschmähte Autoren und Texte – insbesondere solche, die die Gesinnungsnormen des diskursiven Mainstreams ignorieren und dadurch jenen Mut und jene Originalität beweisen, die den meisten heute fehlen. Eine Gesellschaft lernt von ihren Abweichlern, das war einmal ein liberales Credo. Aber auch das Nichtlernen ist legitim, auch Literatur gegen die Gesellschaft, den Zeitgeist und das Vernutztwerden, also ästhetische Autonomie. Kurz: Wir möchten das literarisch Widerständige fördern und bewahren. Konkret soll das durch einen Fonds geschehen, aus dem wir Veranstaltungen finanzieren, regelmäßige Anthologien, Blogs und Rezensionen anregen sowie einen PROMETHEUS-Literaturpreis für nonkonformes Schreiben.

Wie finanziert sich „Prometheus“?

„Prometheus“ finanziert sich aus Spenden und Kapitalerträgen. Mit den Plänen für beispielsweise einen Literaturpreis oder Messeauftritte werden die Kosten deutlich steigen, die wir von Förderern einzuwerben hoffen. Da wir keine Gehälter zahlen, bestehen die Kosten momentan vor allem in der Freizeit der wenigen aktiven Organisatoren.

Wie groß ist das Netzwerk momentan und wer ist dort aktiv?

Derzeit sind wenige Hundert natürliche und juristische Personen bei „Prometheus“ vernetzt, zu einem Drittel etwa Autoren, auch professionelle, ein gutes Dutzend Verlage, mehrere Zeitschriften, viele Journalisten und Freunde aus Wissenschaft, Kultur und Politik. Buchhändler und Veranstalter vermissen wir noch. Aus Datenschutzgründen treten nur diejenigen namentlich hervor, die explizit um Werbung bitten oder uns bewerben, zum Beispiel das Magazin TUMULT und der Romanautor Till Röcke. Derzeit sprechen wir auch Unternehmen an.

Welche Projekte planen Sie in naher Zukunft?

Einen Literaturpreis, eine Anthologie mit nonkonformen Texten und Auftritte auf Messen bereiten wir mittelfristig vor – die Finanzierung immer vorausgesetzt. Wir erfahren viel Zuspruch. Offensichtlich kommen wir übersehenen Bedürfnissen entgegen. In diesem Jahr steht die Verdichtung unseres Netzwerks im Zentrum: Akquise, Werbung, Inhalt für soziale Medien, organisatorische und technische Erweiterungen, besonders aber persönliche Treffen deutschlandweit. „Prometheus“ soll kein Social-Media-Phänomen bleiben; wir wollen eine Organisiertheit erreichen, mit der wir offline ebenso gut funktionieren würden, wenn es uns online gar nicht gäbe.

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