24. Februar 2024

«Plan B – Die humane Marktwirtschaft» – Doku stellt ein neues ökonomisches System vor

Das System scheint degeneriert zu sein, nicht nur das politische, sondern vor allem das ökonomische. Dieser Eindruck kommt nicht erst seit der letzten Finanzkrise auf, als das Großkapital die Misere zwar verursacht hatte, aber anders als die einfachen Bürger glimpflich davonkam. Es bedarf eines Kurswechsels. Wie dieser aussehen könnte, arbeitete der Historiker und Journalist Peter Haisenko in seinem Buch «Die humane Marktwirtschaft» aus. Auf ihm basiert der jüngst erschienene Dokumentarfilm mit dem gleichen Titel, nur dass das für die Produktion verantwortliche Portal Zivilcourage.TV ihm «Plan B» voranstellte. Ihn stellt die humane Marktwirtschaft dar, falls die jetzige Form an die Wand fährt – so zumindest der Grundgedanke.

Schaut man sich die zwei Stunden Filmmaterial an, wird sofort deutlich, welche Leistung Haisenko da erbracht hat. Der ehemalige Pilot und Visionär klügelte ein ganzes System aus und bedachte verschiedene Aspekte der Volkswirtschaft. Einen Kardinalfehler hätten selbst namhafte Experten nicht finden können, sagt er im Interview, aus dem die Dokumentation hauptsächlich besteht. Haisenko sitzt frontal zur Kamera und erläutert seine Vorstellung von einer humanen Marktwirtschaft, während sich zwischen diesen Sequenzen aus dem Off ein Erzähler meldet, um dessen Aussagen zu kontextualisieren und bestimmte Details anhand von Animationen anschaulicher zu erläutern. Als diese Instanz fungiert kein Geringerer als Lui Koray, ein musikalischer Tausendsassa, der während der Corona-Krise mit systemkritischen Songs aufgefallen ist.

Gleichsam ein Lehrfilm

Die Informationsdichte könnte die Zuschauer gelegentlich überfordern, handelt es sich doch um einen komplexen Gegenstand, der bisweilen einen enormen Abstraktionsgrad erreicht. Stellenweise gleicht die Dokumentation einem Lehrfilm, in dem ästhetische Qualitäten in den Hintergrund treten. Eingeteilt wird sie in mehrere Kapitel, die sich mit Teilaspekten wie Geld, Wettbewerb oder Staat beschäftigen. Haisenko erläuterte diese Phänomene in einer verständlichen Sprache und bringt sie so in einen Zusammenhang, dass es zumindest im Ansatz verständlich wird, welche Ideen dahinterstecken. Das Ziel der humanen Marktwirtschaft, erläutert Haisenko gleich zu Beginn, bestehe darin, „dass es allen Menschen so gut wie möglich geht“. Sie solle den Menschen dienen und nicht dem Kapital.

Peter Haisenko / Foto: Screenshot

Den Kern seines Modells bildet das, was er „Wertspeicher“ nennt. Darin findet sich das Volkseigentum, was nicht mit Staatseigentum verwechselt werden darf. Der Wertspeicher, so die Theorie, ist ausgestattet mit einem maximalen Datenschutz und basiert auf einem unveränderten Regelwerk. Anders als im gegenwärtigen Bankensystem, gehören die eingezahlten Beträge tatsächlich den Bürgern, die sie auch ausgezahlt bekommen, wenn sie beispielsweise in Rente gehen. Verluste, wie sie heute entstehen, wenn etwa Banken bankrott gehen, bleiben aus. Eine weitere wichtige Säule in der humanen Marktwirtschaft stellt das Kreislaufgeld dar. Anders als in dem jetzigen System kommt es nicht durch Schulden auf die Welt, sondern wird durch das monatliche Einkommen der Bürger bestimmt.

Weg vom Schuldgeld

Die neue Bestimmung des Kreislaufgeldes verweist darauf, wo die Probleme heute liegen. Laut Haisenko gehe es darum, vom „Schuldgeld“ wegzukommen. Der Zins erweise sich als die Wurzel allen Übels. Um das zu demonstrieren, zitiert Erzähler Koray unter anderem bekannte Magnaten wie Henry Ford oder Mayer Amschel Rothschild. Die Lösung lautet daher: Es kann nur so viel Geld verliehen werden, wie im Wertspeicher vorhanden ist. Da das Kreislaufgeld auf dem Einkommen der Bürger basiert, wird jeder von ihnen eine Arbeit finden – so das Versprechen. Damit gehe einher, dass es keinen Mangel an Geld geben wird, womit zugleich Missgunst und Neid verschwinden.

Solche Verlautbarungen hören sich utopisch an. Solange die humane Marktwirtschaft lediglich ein theoretisches Modell bleibt, wird man nie erfahren, ob es tatsächlich funktioniert. Hier liegt zugleich das größte Problem. Auch Karl Marx hatte einst ein eigenes Modell vorgestellt, das dann zwar sehr viele Anhänger fand, aber nur durch eine Revolution umgesetzt werden konnte. Der Rest ist Geschichte, eine voller Leid und neuer Probleme. Der Übergang von einem System in das andere lässt sich nur schwer verwirklichen. Aber auch dazu hat sich Haisenko Gedanken gemacht. Es lohnt sich daher, sich seine Ideen anzuhören, auch wenn der zweistündige Film zeitweise schwer verdaubar anmutet. Er eröffnet jedoch einen neuen Horizont und regt zum Nachdenken an. In die Praxis lässt sich nur das umsetzen, was vorher theoretisch gut durchdacht und sprachlich festgehalten wurde. Diese Vorarbeit hat Haisenko sowie der Dokumentarfilm geleistet.

Titelbild: Screenshot

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