Künstlerin Heike Franziska Bartsch: Die letzten Jahre waren für das gesunde Leben ein Verbot

Die Berliner Künstlerin Heike Franziska Bartsch hat einen unkonventionellen wie originellen Ansatz. Sie verbindet statische Motive mit beweglichem Schattenspiel. „Bildinszenierungen“ nennt Bartsch diese Arbeiten, mit denen sie für Menschlichkeit wirbt und auf gesellschaftliche Missstände verweist. Im Interview spricht die Künstlerin über die Veränderungen der letzten Jahre, über Schwierigkeiten, Ausstellungsorte zu finden, und über ihre nächsten Projekte.

Frau Bartsch, Sie bezeichnen ihre Kunstwerke als Bildinszenierungen? Was kann man sich darunter vorstellen?

Es sind inszenierte Bilder mittels Mehrfachprojektion auf eine große Opera-Folie, im Theatersaal unter Einbezug von Darstellern. Sie bewegen sich in der Mehrfachprojektion. So entsteht über die im Foto festgehaltene Körpersprache zusätzlich eine dritte szenische Ebene.

Jedes Foto der Inszenierung vereint zwei Aufnahmen, zum Beispiel von eigenen Zeichnungen, eigenen Collagen, der Stadt, der Natur, Details und Demonstrationsszenen. Ich arbeite immer mit einem kleinen Team und immer mit viel Spaß.

Wo entstehen solche Bildinszenierungen?

Ich komme vom Tanz und der Choreografie, habe als eine der letzten Absolventinnen neben Malerei das Fach „Spiel und Bühne“ an der Universität der Künste Berlin studiert und

meine Meisterschülerprüfung in dieser Technik mit einer Performance im damaligen Theatersaal der Hochschule absolviert. Danach sind seit 2007 mehrere kritische Kunstprojekte im Rahmen von „Kulturland Brandenburg“ an einer Musik- und Kunstschule und für einen freien Träger entstanden. Ich habe auch zu Themen wie Demokratie, Wasserzauber und Wasserprivatisierung, Gewalt und Verdrängung gearbeitet. Seitdem führe ich meine Arbeit an verschiedenen Orten mit dieser aufwendigen Technik fort.

Heike Franziska Bartsch

Was wollen Sie in ihren Werken zum Ausdruck bringen? Worauf liegt Ihr Fokus?

Ich porträtiere gerne Menschen mit ihrem Sein in der Stadt Berlin und kann durch das Verbinden von Bildern mit dem darstellenden Spiel eigene Aussagen zu den sich verändernden Lebensbedingungen machen. So verleihe ich meinem Anliegen nach Lebensfreude, Würde und friedlicher Selbstbestimmung Ausdruck.

Gibt es in Ihren Werken eine Kontinuität. Oder haben sie sich in den letzten Jahren verändert?

Die letzten Jahre waren für das gesunde Leben ein Verbot.  Um es deutlich zu sagen, war die Mehrheit der Menschen weltweit der weißen Folter ausgesetzt, nach dem Muster von Albert Bidermans „Diagramm des Zwangs“. Die Menschen- und Grundrechte wurden für die meisten von uns brutal ausgehebelt. Es hat dadurch ein globaler, zersetzender Raubzug stattgefunden. Die größte Verteilung von unten nach oben, die es in einem solch kurzen Zeitraum je gegeben hat. Für mich war und ist es wichtig, das kritisch wahrzunehmen, hinzuschauen und mit meinen Möglichkeiten „zu sprechen“. Wir befinden uns in einem Krieg mit vielen Gesichtern und unterschiedlichen Waffen.

Was kritisieren Sie derzeit am meisten an Politik und Gesellschaft?

Wir haben inzwischen eine Zweiklassengesellschaft in diesem Land. Der Mittelstand wird über Bürokratie und enorme Abgaben an eine Kaste von Menschen mit Korruptionshintergrund zerstört. Das Experiment einer Entrechtung durch geschürte Angst und krankmachende bis tödliche Zwangsmedizin zerstört das Menschliche, das Gemeinwesen, den inneren Frieden sowie die Wirtschaftskraft. Die Spaltungsmechanismen wie „links gegen rechts“, „geimpft versus ungeimpft“, „fremdländisch gegenüber einheimisch“, „feindorientiert oder friedensorientiert“, „klimabedroht wider umweltschutzorientiert“ verstellen den Blick auf die Entrechtung und die kontinuierliche Enteignung der Mehrheit. Mit „gelungener“ kontinuierlicher Spaltung könnte ein weiterer Weltkrieg entfacht werden.

Friedensdemonstration, Heike Franziska Bartsch

Für viele zeit- und gesellschaftskritische Künstler ist es schwer, die eigenen Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie ergeht es Ihnen?

Ja, es ist schwer und nur in Nischen möglich. Ich habe auch Ärgernisse durch meine andere Sicht bei „Zufriedenen“ in einer kleinen Galerie ausgelöst, sei es durch dokumentierte Friedensdemonstrationen oder die Kritik an der Zwangsmedizin in meinen Arbeiten. Ich wurde schon des Öfteren bei Bewerbungsverfahren mit dem Argument ausjuriert, es sei „so politisch“.

Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus?

Ich überlege einen kleinen, eigens finanzierten Katalog mit meinen kritischen Arbeiten zu erstellen und arbeite an einem Projekt zu mutigen friedensorientierten, den Menschenrechten verpflichteten Frauen im historischen Vergleich zu heute. Ich bin sehr gespannt, inwieweit ich frei mit Fakten umgehen kann, konkret, ob Arbeiten im Ergebnis ausjuriert werden.

Don’t kill the Messenger, Heike Franziska Bartsch
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