23. Februar 2024

«Jan Hus» – Spannender Film über den böhmischen Reformator

Mit der Reformation der katholischen Kirche verbindet man allgemeinhin den Namen Martin Luther. Vor dem Augustinermönch gab es jedoch Vorläufer. Einer von ihnen war der Tscheche Jan Hus, der sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf die Lehren des englischen Theologen John Wyclif bezog und die Bibel in die eigene Landessprache übersetzen ließ, obwohl Papst Gregor VII. es untersagte.

Der Machtkampf des böhmischen Predigers mit der römisch-katholischen Obrigkeit steht im Mittelpunkt des Films von Jiri Svoboda, einem tschechischen Regisseur der alten Schule. Sein «Jan Hus», nun auf DVD erschienen, widmet sich in zwei Teilen den zentralen Episoden aus dem Leben des charismatischen Reformators und bildet in realitätsnahen Aufnahmen den Alltag der mittelalterlichen Welt ab. Diese zeigt sich unter anderem in dem Prunk sowohl weltlicher als auch geistlicher Herrscher. Ihr Hunger nach Macht und Geld trat nie deutlicher zutage als zu jener Zeit, als Jan Hus predigte, allein auf das Wort der Heiligen Schrift zu vertrauen. Nur in ihr spreche der Gott als unfehlbarer Führer, hieß sein Grundsatz, nicht in der Kirche, die durch den Priester rede.

Machtkampf mit der kirchlichen Obrigkeit

Der Papst, die Kardinäle und andere Würdenträger sahen das anders und bezichtigten den böhmischen Gelehrten der Ketzerei. Vor dem Konzil in Konstanz sollte Hus seine Lehren widerrufen. Da er aber unbeugsam zu seiner Überzeugung stand, wählte er lieber den Märtyrertod. Bevor es zu dessen öffentlicher Verbrennung kommt, inszeniert Regisseur Svoboda im ersten Teil das Ränkespiel der Mächtigen. Zu jener Zeit kämpfen in Böhmen die Könige Wenzel und Sigismund um die Macht, während in der Kirche gleich drei Päpste politischen Einfluss ausüben wollen. In dieser Situation schmeckt es ihnen erst recht nicht, dass der böhmische Prediger ihnen vorwirft, ihre Autorität zu missbrauchen.

Jan Hus vor dem Konzul

Während der Film in den ersten knapp 120 Minuten darstellt, wie Jan Hus ins Fadenkreuz der Herrschenden gerät, konzentriert er sich im zweiten Teil auf dessen Inhaftierung und Verteidigung vor dem Konzil. Diese Ereignisse gleichen einem Gerichtsdrama, nur dass es im mittelalterlichen Gewand daherkommt. An Stelle von Juristen sitzen voreingenommene Geistliche, die nach eigenen Gesetzen entscheiden. Der Film lebt von der Atmosphäre jener Zeit. Viele Szenen spielen sich an Orten ab, die damals das gesellschaftliche Leben prägten – in Kirchen, Burgen oder verstaubten Kellern. Weil diese Schauplätze meist ausgeleuchtet bleiben, kommt die düstere Stimmung jener Ereignisse besonders gut zur Geltung.

Hauptdarsteller Matej Hadek verleiht dem Protagonisten viel Charisma und mimt ihn mit einer Würde, die selbst in den Flammen des Scheiterhaufens Überlegenheit ausstrahlt. Jan Hus’ Schicksal ist schockierend, weist aber auch erstaunliche Parallelen zur Gegenwart auf. Wer heute die Corona-Politik kritisiert und die dahinterstehenden Dogmen zu hinterfragen wagt, wird genauso als Ketzer diffamiert wie einst der böhmische Reformator. Nur gibt es dafür modernere Begriffe wie Verschwörungstheoretiker oder Schwurbler. Wer sich den Film anschaut, wird feststellen, dass sich in den letzten 500 Jahren hinsichtlich der Machtstrukturen kaum etwas getan hat. Die herrschenden Ideologien mögen sich geändert haben, die Methoden der Unterdrückung bleiben die gleichen.

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