Die Welt steht Kopf – Gedichte zur Zeit

Die Welt steht Kopf. Wer die heutigen gesellschaftspolitischen Verhältnisse betrachtet, kann eigentlich zu keinem andren Schluss kommen. Was früher als selbstverständlich galt, hat keine Bedeutung mehr, löst sich auf, gerät in Vergessenheit. Und was undenkbar schien, wird Realität. Das ist bisweilen geradezu erschreckend, dann etwa, wenn führende Politiker von der Bevölkerung „Kriegstauglichkeit“ einfordern; wenn sogenannte Nichtregierungsorganisationen im Auftrag von Ministerien gegen politische Gegner vorgehen; wenn Fernsehsatiriker nach unten treten, anstatt die Obrigkeit ins Visier zu nehmen. Wahlversprechen werden am laufenden Band gebrochen, ohne dass es für die Verantwortlichen Folgen hat. Die Leitmedien scheinen sich dafür auch nicht zu interessieren, stattdessen achten sie penibel darauf, die richtige Haltung zu zeigen. Die öffentliche Debatte wird weniger von Sachfragen dominiert als von Moralismus. Und wer dem ideologischen Anspruch nicht genügt, darf an ihr ohnehin nicht teilnehmen.

All dies ist schwer verdaulich, so schwer, dass Lebenshunger kaum noch aufkommt. Der vorliegende Band will den Appetit anregen, mit lyrischer Kost, die das ausdampft, was seit Jahren den Alltag so unbekömmlich macht. Präsentiert werden die Gerichte häufig in Reimen, bisweilen in Bildern, gelegentlich in klaren Versen. Als Zutaten sind Ironie und Sarkasmus beigemischt, ohne die dem Wahnsinn heutiger Tage kaum beizukommen ist. Zeitweise wird es nach Zynismus schmecken, so wie die Redeweise so mancher Politiker und Hofjournalisten, deren Gestus das eine oder andere Gedicht parodiert. Freilich, die servierten Gerichte werden am ehesten denen munden, die einen ähnlichen Blick auf die gesellschaftspolitischen Verhältnisse haben; die genauso irritiert den Kopf schütteln wie der reimende Koch. Umso mehr gilt, was der Publizist Johano Strasser einst zu bedenken gab: „Das politische Gedicht muss sich als Gedicht legitimieren und darf nicht schon deswegen Zustimmung finden, weil die Linie stimmt.“ Nach diesem Grundsatz sollen die hier versammelten Gedichte beurteilt werden.

Eugen Zentner: Die Welt steht Kopf. Gedichte zur Zeit. München 2026, Massel Verlag, Taschenbuch, 100 Seiten, ISBN 978-3948576295, 12,90 Euro.

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