«Die Reise seines Lebens» – Burt Reynolds spielt gewissermaßen sich selbst

Der mittlerweile verstorbene Schauspieler Burt Reynolds gilt als einer der Großen seines Fachs. Wie so viele erlebte auch er Höhen und Tiefen. Seine Karriere dauerte knapp 60 Jahre, in denen der schnauzbärtige Darsteller zunächst mit Filmen wie „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ Erfolge feierte und später eher bescheidene Rollen übernahm. 

In einem seiner letzten Filme mimte der einstige Draufgänger gewissermaßen sich selbst. «Die Reise seines Lebens», nun auf DVD und Blu-ray erschienen, handelt von einem abgehalfterten Leinwandhelden, der seine besten Jahre hinter sich hat und schwermütig auf seine Karriere zurückblickt. Vic Edwards, der Name lässt das Alter Ego bereits anklingen, möchte wieder im Rampenlicht stehen, muss sich aber damit abfinden, dass er aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden ist. 

Als der frühere Hollywoodstar eines Tages eine Einladung zu einem Filmfestival erhält, hofft er darauf, endlich wieder einmal im Ruhm baden zu können. Doch es kommt anders als gedacht: Das Event erweist sich als eine jämmerliche Fan-Convention. Dort sitzt Vic nicht mit Veteranen wie Clint Eastwood oder Al Pacino zusammen, sondern mit nerdigen Studenten, die ihn mit peinlichen Fragen löchern. Der alte Mann stürzt in eine tiefe Sinnkrise, hat jedoch Glück, dass seine rebellische Assistentin (Ariel Winter) ihm auf unkonventionelle Art den Spiegel vorhält.

Mit «Die Reise seines Lebens» hat Regisseur Adam Rifkin eine Komödie über das Altwerden und die Vergänglichkeit gedreht. Er thematisiert darin die destruktive Kraft der Eitelkeit, die es verhindert, wertvolle Momente im Leben zu genießen. Dass Glanz und Gloria nicht alles ist, muss auch Vic erkennen. Burt Reynolds spielt ihn mit viel Selbstironie und zeigt, welchen Spaß ihm die Arbeit vor der Kamera noch im hohen Alter bereitet. 

Parallelen zwischen Figur und Schauspieler

Dass Figur und Darsteller derart authentisch verschmelzen, ist auch das Verdienst Rifkins, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb. Die Vita des Protagonisten überschneidet sich an einigen Stellen mit dem Karriereverlauf des Hauptdarstellers. Wie Reynolds hat sich auch Vic anfangs als Stuntman verdingt und ist schließlich durch B-Filme zum Star geworden. 

Neben diesen Parallelen auf der Handlungsebene gibt es schnitttechnische Kunstgriffe, die den gleichen Effekt zeitigen. Rifkin kombiniert geschickt fiktionale Szenen mit Archivaufnahmen, in denen Reynolds beispielsweise in Talkshows auftritt, oder integriert Ausschnitte aus dessen älteren Filmen. Bilder spielen dennoch eine untergeordnete Rolle. «Die Reise seines Lebens» zeichnet sich eher durch pointierte wie einfühlsame Dialoge aus. Sie enthalten viel Lebensweisheit und entwickeln eine Überzeugungskraft, der man sich schwer entziehen kann.

– Erscheinungsdatum: 24.09.2020, Produktionsland: USA, von Adam Rifkin, mit Burt Reynolds, Chevy Chase, Ariel Winter

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