Am 12. Februar betritt der Chansonsänger Boris Steinberg im Berliner Al Hamra die Bühne. Im Gepäck hat er Stücke aus seinem aktuellen Album „Peep-o-Rama“, aber auch neue Lieder, die noch nicht viele gehört haben dürften. „Lebe ein zweites Mal“ ist so eines, eine Interpretation des Chansons aus dem Film „Club der einsamen Herzen (2019), in dem keine Andere den Gesang übernimmt als Hannelore Elsner. Das in dem Stück ausgedrückte Gefühl der Wiedergeburt passt für Steinberg zu der heutigen Zeit, einer Periode voller Um- und Abbrüche.
„Zwischenstation“ hat er den kommenden Abend genannt, um damit auf die gegenwärtige Situation anzuspielen. Wie ihm selbst gehe es vielen gerade kritischen Zeitgenossen darum „innezuhalten“, sagt er. Für Steinberg künden sich momentan wieder unbekömmliche Ereignisse an, weshalb er von der „Ruhe vor dem nächsten Sturm“ spricht. An diese Stimmung will er seinen Auftritt im Al Hamra anpassen – so wie er es immer tut. Die gesellschaftspolitischen Veränderungen der letzten fünf Jahre sollen in seinen gefühlvollen Chansons mitschwingen. Mit ihnen will er das zum Ausdruck bringen, was die Menschen heute bewegt und umtreibt.
Steinbergs letzter Solo-Auftritt liegt anderthalb Jahre zurück, weshalb sich der Künstler auf den Abend sehr freut. Auch weil er das Al Hamra als einen „magischen Ort“ betrachtet. Live-Darbietungen von Chansonsängern zeichnen sich dadurch aus, dass sie musikalisch begleitet werden. Während Singer-Songwriter meist singen und zugleich ein Instrument spielen, konzentrieren sich Chansonsänger auf die Stimme und die Interpretation. Bis 2021 arbeitete Steinberg noch mit Live-Musikern zusammen, die ihn unterstützten. Heute sorgt ein Tontechniker für die musikalische Untermalung. So wird es auch im Al Hamra sein, wenn Steinberg alleine auf der Bühne steht und das Mikrofon ergreift.
In letzter Zeit ist es still geworden um das Chanson. Erlebte es in den 1990er-Jahren seine Blütezeit, verliert es die Hörer zunehmend an andere Musikrichtung wie Hip-Hop oder Pop. Dabei hat das Chanson großes Potenzial, wie Steinberg sagt – „gerade in Krisenzeiten wie diesen“. Das Genre biete einen künstlerischen Freiraum, den es sonst kaum gebe. Chansons sind in seinen Augen so authentisch, dass sich in ihnen der Zeitgeist spiegelt. Das will er bei seinem Auftritt im Al Hamra demonstrieren.
Am 12. Februar, 19.30 Uhr, Al Hamra, Raumerstraße 16, 10437 Berlin
Bild: Kulturkreis Pankow
