«Blockbooster» – NuoVisos Comics-Sonderausgabe bündelt witzige Filmplakat-Adaptionen

Der Internetsender NuoViso ist in den letzten Wochen mit mehreren Filmplakat-Adaptionen hervorgetreten, die sich an das Original anlehnen, es aber satirisch an die „Neue Normalität“ anpassen. Sie beziehen sich auf die Corona-Politik und deren Protagonisten, sowohl in der Titelgebung als auch in der Motivgestaltung. «Und täglich grüßt das Schwurbeltier» heißt zum Beispiel eines der Werke, auf dem nicht der US-Star Bill Murray aus der ikonischen Uhr schaut, sondern «Gesundheitsexperte» Karl Lauterbach. Entwickelt wurden solche Plakat-Adaptionen von Daniel Haas, der auch die «NuoViso Comics» zeichnet. Die Zahl der teils sehr witzigen Motive wuchs kontinuierlich, was unter anderem am positiven Feedback des Publikums lag. Irgendwann entschloss sich das NuoViso-Team, ihnen eine eigene Comic-Ausgabe zu widmen.

Das Heft erscheint am 6. Februar – zur 200. Folge eines Formats, das mittlerweile Kultstatus genießt: Home Office. Hier hatte auch die erste Plakat-Adaption ihren Auftritt. «Pharmageddon» steht da in dicken Lettern, während im Hintergrund eine Spritze als Rakete zu sehen ist. Direkt daneben strahlen die Gesichter der BioNTech-Gründer und des «Impfpapstes» Bill Gates. Natürlich sei das auf den sozialen Netzwerken viral gegangen, schreibt Herausgeber Frank Höfer im Editorial. Das habe das Team dazu inspiriert, weitere Motive zu entwickeln. Einige Ideen steuerten die Zuschauer bei. Auf diese Weise entstand innerhalb weniger Wochen eine ganze Reihe mit über 50 Motiven, die sich alle in der aktuellen Comics-Ausgabe finden. Ihr Titel gibt dabei das Programm vor: «Blockbooster».

Schöne Wortspiele, kluge Anspielungen

Aufgrund des speziellen Inhalts enthält die Sonderedition weniger Text als sonst, brennt jedoch visuell ein Feuerwerk ab. Die abgebildeten Motive unterstreichen nicht nur die grafische Gestaltungsvirtuosität, sondern zeugen auch von beachtlicher Kreativität. Es sind schöne Wortspiele dabei, kluge Anspielungen und gelungene Allegorien, in denen sich Zusammenhänge in komprimierter Form offenbaren. Eine große Rolle spielt dabei das Impf-Thema, wie sich an häufigen Spritzen-Motiven und entsprechend zugespitzten Titeln erkennen lässt: «The Sixth Spritz», «Mad Vaxx», «Twin Pieks». An welche Original-Blockbuster diese Adaptionen angelehnt sind, dürfte sich auch Lesern erschließen, die sich nicht als Cineasten verstehen.

Ein besonders gelungenes Motiv ist die Variation des Spielberg-Klassikers «Catch me if you can», aus dem das NuoViso-Team «Vaxx me if you can» gemacht hat. Nur jagt auf dem Plakat nicht Tom Hanks den Kollegen Leonardo DiCaprio, sondern Karl Lauterbach den Fussballprofi Joshua Kimmich. Die Meisterleistung dieser Adaption zeigt sich allein darin, dass sie erschien, noch bevor der Gesundheitsminister öffentlichkeitswirksam verlautbarte, er sei bereit, den Bayern-Star persönlich zu impfen. Karl Lauterbach ist so etwas wie der heimliche Protagonist der «Blockbooster»-Reihe. Sein Antlitz sieht man auf fast jedem dritten Filmplakat, ob in «Jokarl», «Lockdown Orange», «Total Rekarl» oder «Being Karl Lauterbach».

Dirty Vaxxing

Woher kommt das Faible für den amtierenden Bundesgesundheitsminister? Der Comic-Zeichner Daniel Haas erklärt das im Interview, das auch in der Sonderausgabe nicht fehlen darf. „Karl Lauterbach zu zeichnen ist für mich wie Urlaub“, sagt er. Haas, der im Interview unter anderem seinen Werdegang beschreibt, findet in der Figur des berühmt-berüchtigten «Gesundheitsexperten» so viel Inspiration, dass er derzeit sehr intensiv an einer «Klabauterbach-Geschichte» arbeitet.

«Besser geht’s nicht» meets «Forest Gump»

Worum es darin gehen soll, umreißt der Zeichner in einigen wenigen Sätzen, die Lust auf mehr machen: „Der junge Karl, ein nervtötender Autist und Hypochonder mit Fliege und Aktenkoffer eckt wegen seiner zahlreichen Spleens dauernd bei seinen Mitschülern an“, erklärt er die Geschichte im Stile «Besser geht’s nicht» meets «Forest Gump». „Nach der Schule lauern sie ihm ständig auf und bewerfen ihn mit Steinen. Seine spätere Ehefrau rettet ihn immer aus Mitleid und macht ihm mit ihren Lauf Karl-Schreien Beine. Doch der eine oder andere Stein erreicht doch sein Ziel und bringt so einiges in seinem Oberstübchen durcheinander. Irgendwann ist auch ihre Gutmütigkeit am Ende und das Drama nimmt seinen Lauf …“

Neben Karl Lauterbach bekommen in der Filmplakat-Reihe auch andere Corona-Protagonisten einen Auftritt – Lothar Wieler, Jens Spahn, Christian Drosten, Mai Thi Nguyen-Kim und vor allem Bill Gates. Eingeführt wird dieser als «The Great Gatesby», als «Ill Bill» oder «The Gatesfather», während Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery als «Vaxxinator» posiert. Es sind allesamt ansprechende Motive, die die Betrachter zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken bringen. Obwohl sie den Großteil des Hefts füllen, haben es sich die Macher nicht nehmen lassen, am Ende trotzdem noch eine kurze Comic-Story zu illustrieren. Doch auch sie dreht sich um die adaptierten Filmplakate und handelt davon, wie Frank Höfer und Daniel Haas nach einem passenden Motiv zu «Pulp Fiction» bzw. «Pulp Injection» suchen. Hierbei bekommen die Leser gleich drei Variationen zu sehen.

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